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4. Wunddialog des BVMed

Erkenntnisse zur chronischen Wundversorgung

Auf dem 4. Wunddialog des BVMed haben zwei Regionen erfolgreiche Ansätze zur Verbesserung der chronischen Wundversorgung vorgestellt.

Regionale Leuchtturmprojekte liefern Erkenntnisse zu der Frage, wie eine verbesserte Versorgung chronischer Wundpatienten in Deutschland aussehen kann. Sie verdeutlichen aber auch die strukturellen Herausforderungen. So lautet ein Ergebnis des 4. Wunddialogs des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) am 5. Dezember 2018. Im Fokus der Diskussion mit Vertretern aus Politik, Medizin, Pflege und Versorgung standen Prozessfragen. Erfolgreiche Ansätze, wie sie aus Selektivverträgen mit Krankenkassen hervorgehen, müssten mehr Patienten zugänglich gemacht werden, teilt der BVMed mit.

In seinem vierten Jahr habe sich der BVMed-Wunddialog zu einem Format entwickelt, das nicht nur Analysen und Diskussionen ermöglicht, sondern auch Verbesserungen vorantreibt. In den Jahren 2015 und 2016 lag der Fokus vor allem auf der Bestandsaufnahme: Wie stellt sich die Situation von Wundpatienten in Deutschland dar und welche spezifischen Herausforderungen bestehen in ihrer Versorgung? Im Dezember 2017 wurde die Gründung eines Expertenrats beschlossen. Dieser hat im Laufe des Jahres 2018 strukturelle Empfehlungen zur Wundversorgung in Deutschland entwickelt, die auf einer Konsensuskonferenz am 31. Januar 2019 in Berlin diskutiert werden.

Selektivvertrag mit AOK in Sachsen-Anhalt

Bei der jüngsten Expertenrunde standen regionale Lösungen im Fokus. Zwei Leuchtturmprojekte verdeutlichten, wo strukturelle Verbesserungen ansetzen könnten: Dr. Thomas Wild, Facharzt für Chirurgie und Leiter des Wundzentrums am Städtischen Klinikum Dessau, stellte Ergebnisse eines Selektivvertrags mit der AOK in Sachsen-Anhalt vor. Dieser besteht seit 2017 und hat eine integrierte Versorgung (IV) von Patienten mit chronischen Wunden zum Ziel. Dabei setzt das Team auf international bewährte Verfahren und evidenzbasierte Therapien. So arbeitet das Wundzentrum mit dem „Wound at Risk“ (WAR)-Score sowie dem „Wound Infection Risk Evalution“ (WIRE)-Score, um die Zahl potenzieller Patienten mit chronischen Wunden in einer Region zu prognostizieren. Außerdem rückt der Versorgungsvertrag die Frage nach der Lebensqualität in den Fokus. Wild: „Die subjektiv empfundene Lebensqualität zeigt wirklich, wie gut wir unsere Patienten vorsorgen. Sie sollte unser wichtigster Maßstab sein.“

Das Projekt habe positive Ergebnisse gebracht: Mithilfe des „Dessauer Therapiealgorithmus“ wurde die Zeit bis zum Abheilen chronischer Ulzera von 541 auf 147 Tage gesenkt. Auch gingen die Kosten dank vergünstigter Verbandmittelabgabe um bis zu 60 Prozent zurück. Andererseits erreichte das IV-Projekt weit weniger Patienten als erwartet: Von potenziell rund 250 geeigneten AOK-Patienten haben nur 41 die Aufnahmekriterien für den Versorgungsvertrag erfüllt. Unter anderem sind Heimpatienten von einer Teilnahme ausgeschlossen. „Wir haben unsere Ziele nicht voll erreicht“, bilanziert Wild. Unter anderem habe sich die angestrebte Verbesserung der Lebensqualität bislang nicht nachweisen lassen. Auch in der Datenerhebung vor allem durch die Krankenkassen und beim Informationsaustausch bestünden immer noch Defizite. „Was wir brauchen, sind flächendeckende Lösungen“, so Wild.

„VersorgungsManagement Wunde in Rheinland-Pfalz“

Maik Stendera, Kassenmanager beim Dienstleister Mamedicon, präsentierte das Innovationsfondsprojekt „VersorgungsManagement Wunde in Rheinland-Pfalz“. Ziel ist ein flächendeckendes Management zur Begleitung von Menschen mit chronischen Wunden. Dabei spielen Fallmanager eine zentrale Rolle. Die Frage lautet: Was sollen diese zentralen „Steuerungsinstanzen“ können und leisten? Die Projektpartner wählen zunächst 20 Fallmanager und bilden diese nach einem beispielhaften Curriculum aus. Diese betreuen im Rahmen dieser kontrollierten, randomisierten Studie die Patienten der Interventionsgruppe. 1.000 Teilnehmer sind das Ziel. „Noch liegen die Fallzahlen aber weit darunter“, so Maik Stendera.
Die Vermittlung von Wissen zur Wunde sei ein Schwerpunkt der Studie. Interessant ist laut Stendera, ob sich die Erkenntnisse dazu auch auf andere Themen übertragen lassen, etwa Adipositas und Demenz.

Große Stärke der Studie sei die Infrastruktur. Stendera: „Wir haben schon Jahre vor dem Projektstart mit dem Aufbau von Wund-Netzwerken in der Region begonnen. Auf dieser Basis können wir jetzt gut arbeiten.“ Allerdings schränke dies die Übertragbarkeit ein – nicht überall seien so gute Netzwerke vorhanden.

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Tobias Kurtz / 10.01.2019 - 09:35 Uhr

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