Mit dem EU-Mercosur-Abkommen sollen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) deutlich ausgebaut werden. Für deutsche Unternehmen aus der Medizintechnik, Analysen-, Bio- und Labortechnik sowie der Photonik und Augenoptik bringt das Abkommen Erleichterungen beim Export.
Für viele Produkte – darunter medizinische Geräte, Laborinstrumente und optische Komponenten – sollen die bislang geltenden Einfuhrzölle von bis zu 18 Prozent vollständig entfallen. Das könnte sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken und den Marktzugang in Lateinamerika deutlich vereinfachen.
Zudem sieht das Abkommen erstmals einen geregelten Zugang europäischer Anbieter zu öffentlichen Ausschreibungen in den Mercosur-Staaten vor – auch im Gesundheitswesen. Damit entstehen neue Perspektiven für die Ausstattung von Krankenhäusern, Laboren und diagnostischen Einrichtungen.
„Das EU-Mercosur-Abkommen ist ein starkes Signal für offene Märkte und regelbasierten Handel in geopolitisch schwierigen Zeiten. Für unsere Branchen schafft es konkrete wirtschaftliche Vorteile – von Zollabbau über bessere Ausschreibungszugänge bis hin zu mehr Planungssicherheit für technologieintensive Exporte“, sagt Jörg Mayer, Geschäftsführer des Industrieverbandes Spectaris.
Mehr Planungssicherheit und neue Absatzmärkte
Neben dem Wegfall von Handelshemmnissen sollen auch transparentere Zollverfahren und klarere Importregeln eingeführt werden. Aus Sicht von Spectaris profitieren davon vor allem exportorientierte Mittelständler, die häufig auf verlässliche Rahmenbedingungen und effiziente Prozesse angewiesen sind.
Der Verband bewertet das Abkommen zudem als wichtigen Beitrag zur Diversifizierung von Absatzmärkten und Lieferketten. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten könne eine stärkere wirtschaftliche Anbindung an Lateinamerika zur Stabilisierung internationaler Handelsbeziehungen beitragen.
Gleichzeitig weist Spectaris darauf hin, dass mögliche handelspolitische Gegenreaktionen anderer globaler Akteure nicht auszuschließen seien. Diese dürften jedoch den strategischen Nutzen einer engeren Partnerschaft mit der Mercosur-Region nicht schmälern.