Die Gesundheitslage in Deutschland variiert deutlich – sowohl regional als auch beruflich. Das zeigt der neue Morbiditäts- und Sozialatlas des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg), der am 22. September 2025 veröffentlicht wurde. Demnach lebt es sich in Hamburg besonders gesund, während Thüringen das bundesweite Schlusslicht bildet.
Vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. So war der Anteil an Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen im Jahr 2023 rund 75 bis 90 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. In Hamburg und Bremen lag die Zahl der Betroffenen hingegen deutlich niedriger.
Auch bei Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen zeigen sich signifikante Unterschiede: Während in Hamburg und Bremen jeweils 33 von 1.000 Menschen betroffen waren, lag der Wert in Thüringen bei 41. Auf Kreisebene reichte die Spannweite von 26 bis 57 Betroffenen je 1.000 Einwohner.
„Die Krankheitslast in Deutschland ist nicht gleich verteilt, weder geografisch noch beruflich. Das muss bei bestehenden Präventionsstrategien stärker berücksichtigt werden“, so Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.
Hoher Krankenstand im Gesundheits- und Sozialwesen
Besonders betroffen zeigt sich laut der Analyse das Gesundheits- und Sozialwesen. Kein anderer Berufszweig verzeichnete im Jahr 2023 eine so hohe Rate an Migräne- und Kopfschmerzdiagnosen: 73 von 1.000 Erwerbstätigen suchten deswegen ärztliche Hilfe.
„Im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten besonders viele Frauen. Erkrankungen die mit Kopfschmerzen einhergehen, treten bei ihnen dreimal häufiger auf als bei Männern“, erklärt Straub. Die tatsächliche Belastung dürfte sogar noch höher liegen, die erfassten Krankheitsraten seien vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, so Staub.
Er zieht aus der Analyse eine Lehre: „Die Daten des Morbiditäts- und Sozialatlasses sind eine wichtige Grundlage, um betriebliche Präventionsmaßnahmen zielgerichteter zu gestalten. Gerade in besonders belasteten Branchen müssen Unternehmen riskostratifizierte und gendergerechte Gesundheitsangebote entwickeln, damit ihre Beschäftigten möglichst langfristig leistungsfähig und gesund bleiben“.