Die Gesundes Kinzigtal GmbH erhält für die geplante Umsetzung ein Preisgeld von 7.500 Euro. Unterstützt wird sie bei dem Projekt durch die OptiMedis AG und die Universität Witten-Herdecke.
Im Rahmen von MyDoks sollen Patienten in Deutschland erstmals Zugriff auf ihre von Ärzten geführte elektronische Patientenakte bekommen. „Viele Patienten wünschen sich mehr Einblick in ihre medizinischen Daten wie etwa Laborwerte, Befunde und Medikation oder die Karteikarten-Einträge ihres Arztes. Sie wollen besser über ihren Gesundheitszustand informiert sein", berichtet Dr. h. c. Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer der Gesundes Kinzigtal GmbH und Vorstand der OptiMedis AG. Auch aus gesundheitswissenschaftlicher Sicht sei der Zugang zu den eigenen Daten sinnvoll, um die Eigenverantwortlichkeit und das Selbstmanagement – insbesondere bei chronisch kranken Patienten – zu stärken.
Vorbild USA
MyDoks knüpft an das 2010 in den USA gestartete Open Notes-Projekt an, bei dem mittlerweile zwölf Millionen Patienten Einsicht in ihre elektronische Patientenakte haben. Sie wissen genau Bescheid über ihre Diagnosen und ihre Medikation und können sämtliche Einträge ihres Arztes lesen. Prof. Dr. Tobias Esch, Fakultät für Gesundheit an der Universität Witten/Herdecke, hat das Open Notes-Projekt in den USA wissenschaftlich begleitet: "Die Ergebnisse in den USA sind beeindruckend. Die Evaluation hat gezeigt, dass sich sowohl klinische Ergebnisindikatoren wie gerade auch Patientenaktivierung und -einbeziehung deutlich verbessert haben. Außerdem war das Vertrauen der Patienten in ihre Ärzte durch die Nutzung der Open Notes deutlich gestiegen sowie die Gesundheitskompetenz ganz generell."
Auch von den Ärzten sei das Projekt gut angenommen worden. "Keiner der Ärzte hat sich nach Ablauf des Studienzeitraums dafür entschieden, die Open-Notes-Praxis zu beenden, obwohl sie zu Beginn skeptisch waren", erläutert Esch, der auch das Projekt MyDoks von Anfang an als Projektpartner begleitet hat.
MyDoks soll der Bevölkerung im Kinzigtal eine bisher in Deutschland nirgendwo gewährleistete Transparenz ermöglichen. Sobald die dafür erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, soll das Projekt umgesetzt werden, wobei die im Kinzigtal bereits bestehende praxisübergreifende, elektronische Patientenakte als Basis dienen wird. Wie beim Online-Banking werden sich die Patienten in ein geschütztes Portal einloggen und dort ihre Daten und die Einträge ihrer Ärzte einsehen können. "Das Gesundheitswesen denkt immer noch viel zu sehr von den Einrichtungen aus. Wir dagegen sind fest davon überzeugt, dass die Patienten selber viel intensiver das Geschehen mitbestimmen müssen. Erst damit schaffen wir das therapeutische Bündnis auf Augenhöhe, das wir in einer Gesellschaft des längeren Lebens notwendigerweise brauchen", betont Hildebrandt und kündigt die Ausweitung der Lösung auf weitere Regionen an.