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Hilfsmittelversorgung

GKV-Spitzenverband legt zweiten Mehrkostenbericht vor

GKV-Spitzenverband legt zweiten Mehrkostenbericht vor Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands (Foto: GKV-Spitzenverband)

Rund 80 Prozent der GKV-Versicherten werden mehrkostenfrei mit Hilfsmitteln versorgt. Das geht aus dem 2. Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbands hervor.

80 Prozent der GKV-Versicherten erhalten eine mehrkostenfreie Hilfsmittelversorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen. 20 Prozent zahlen durchschnittlich 117,75 Euro dazu. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht des GKV-Spitzenverbandes über die von GKV-Versicherten gezahlten Mehrkosten bei Hilfsmitteln.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr hat der GKV-Spitzenverband zum zweiten Mal untersucht, für welche Hilfsmittelversorgungen die Versicherten wie häufig eine wirtschaftliche Aufzahlung leisten – und in welcher Höhe. Ausgewertet wurden rund 95 Prozent der Abrechnungsdaten von Versorgungsfällen aus dem Jahr 2019. Diese wurden kassenartenübergreifend und leistungserbringerneutral analysiert. Insgesamt handelt es sich um 29 Millionen Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabevolumen um die 8,6 Mrd. Euro.
Über alle Produktgruppen hinweg wurden bei rund 5,9 Millionen Versorgungen Mehrkosten dokumentiert. Das entspricht einem Anteil von 20 Prozent an allen Hilfsmittelversorgungen. Die Summe aller dokumentierten Mehrkosten betrug rund 692 Mio. Euro, die durchschnittliche Höhe lag bei 117,75 Euro. Dabei ist ihre Bandbreite groß. Lag sie bei Hörhilfen mit Mehrkosten bei 1.082 Euro, waren es bei Einlagen mit Mehrkosten 30 Euro und bei Toilettenhilfen mit Mehrkosten 39 Euro. 445,0 Mio. Euro, also fast zwei Drittel aller Mehrkosten, wurden bei den Versorgungen mit Hörhilfen registriert. Betrachtet man diese gesondert, ergeben sich für alle anderen Hilfsmittelversorgungen mit Mehrkosten durchschnittliche Mehrkosten von „nur noch 45 Euro“, heißt es im Mehrkostenbericht.

Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, kommentiert: „Uns ist wichtig, dass unsere Versicherten für ihren Krankenkassenbeitrag eine hochwertige Hilfsmittelversorgung erhalten. Um hohe Qualität zu gewährleisten, schreiben wir das Hilfsmittelverzeichnis regelmäßig fort und berücksichtigen dabei auch den schnellen medizinisch-technischen Fortschritt.“ Die Abgrenzung zwischen dem, was medizinisch notwendig sei und solidarisch finanziert werde, und dem, was mehr in den Bereich der Komfortleistungen gehöre, sei immer wieder eine Herausforderung. Kiefer: „Hörhilfen sind dafür ein Paradebeispiel: Möglichst gutes Hören zu ermöglichen, wird von der Solidargemeinschaft finanziert. Der perfekte Klang für einen Opernbesuch ist hingegen eher eine Komfortleistung, für die dann Mehrkosten anfallen können. Mir ist wichtig: Jede oder jeder gesetzlich Versicherte hat das Recht auf eine mehrkostenfreie Versorgung auch mit Hörhilfen. Um eine gute Hörhilfe mit der individuell notwendigen Technik zu bekommen, sind keine Mehrkosten notwendig.“

Hilfsmittel Mehrkosten: Leistungserbringende müssen aktiv informieren

Aufgrund des 2017 beschlossenen Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes sind die Leistungserbringer verpflichtet, GKV-Versicherten mehrkostenfreie Hilfsmittel anzubieten und diese über ihren Versorgungsanspruch (Sachleistungsprinzip) zu informieren.
Wünschen Versicherte eine zusätzliche Leistung außerhalb des Sachleistungsprinzips, sind die Leistungserbringenden zudem verpflichtet, den Krankenkassen die Höhe der mit den Versicherten abgerechneten Mehrkosten mitzuteilen. Diese Maßnahmen sollen für mehr Transparenz über die im Hilfsmittelbereich gezahlten Mehrkosten sorgen und langfristig dabei helfen, ungerechtfertigte Mehrkosten zu verringern. Die Mehrkostenberichte des GKV-Spitzenverbandes sollen auf Basis dieser Zahlen für die notwendige Transparenz sorgen.

Anteil der Versorgungsfälle mit Mehrkosten in %

  • 08 Einlagen: 2. Halbjahr 2018: 49,10 – 2019: 52,91
  • 13 Hörhilfen: 2. Halbjahr 2018: 47,55 – 2019: 52,36
  • 37 Brustprothesen: 2. Halbjahr 2018: 33,01 – 2019: 42,74
  • 24 Beinprothesen: 2. Halbjahr 2018: 28,50 – 2019: 34,01
  • 17 Kompressionstherapie: 2. Halbjahr 2018: 23,01 – 2019: 30,96
  • 05 Bandagen: 2. Halbjahr 2018: 18,55 – 2019: 20,53
  • 15 Inkontinenzhilfen: 2. Halbjahr 2018: 15,55 – 2019: 17,51
  • 23 Orthesen/Schienen: 2. Halbjahr 2018: 8,06 – 2019: 9,19
  • 10 Gehhilfen: 2. Halbjahr 2018: 7,91 – 2019: 8,92
  • 20 Lagerungshilfen: 2. Halbjahr 2018: 6,12 – 2019: 6,93

Durchschnittliche Mehrkosten in Euro

  • 08 Einlagen: 29,60
  • 13 Hörhilfen: 1.081,91
  • 37 Brustprothesen: 36,73
  • 24 Beinprothesen: 86,44
  • 17 Kompressionstherapie: 25,20
  • 05 Bandagen: 19,02
  • 15 Inkontinenzhilfen: 107,67
  • 23 Orthesen/Schienen: 19,13
  • 10 Gehhilfen: 136,56
  • 20 Lagerungshilfen: 14,78

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