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GKV: Verbraucherzentrale NRW kritisiert Bonusprogramme

Die Verbraucherzentrale NRW hat die Bonusprogramme der 30 größten gesetzlichen Krankenkassen unter die Lupe genommen. "Viele Krankenkassen honorieren Einzelwerte im Normbereich, die nicht in die Bonushefte hineingehören", kommentiert sie in einer Mitteilung das Ergebnis.

Stempel und Unterschrift für einen normalen Body-Maß-Index (BMI) oder einen unauffälligen Blutdruck werden meistens von den Kassen mit je 10 bis 25 Euro honoriert. "Doch wer aktiv nichts für seine Gesundheit tut, muss nicht mit einer attraktiven Prämie belohnt werden", kritisieren die Verbraucherschützer.

Um Krankenversicherten die regelmäßige Teilnahme an Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen und Gesundheitskursen schmackhaft zu machen, bieten die gesetzlichen Kassen seit 2004 freiwillig individuelle Prämienprogramme. Seit Juli gehört dieses Modell aktiver Gesundheitsförderung der Patienten laut Präventionsgesetz zum Pflichtprogramm der Krankenkassen.

Für welche Gesundheitsleistungen es in der Praxis Geld gibt, untersuchte die Verbraucherzentrale NRW anhand der Punktevergabe in den Bonusheften: Demnach zahlen zwei Drittel der untersuchten Krankenkassen – darunter Barmer GEK, DAK-Gesundheit und AOK Rheinland/Hamburg – Bares, wenn Versicherte ohne aktives Zutun persönliche Angaben oder Messergebnisse im gesunden Normbereich nachweisen können. Ein Drittel akzeptieren zwei dieser Einzelwerte und zahlen zwischen 20 und 50 Euro dafür. Am häufigsten belohnen 19 Kassen ein normales Körpergewicht. 13 Krankenkassen lassen sich den Nichtraucher-Status was kosten. Aber auch für andere Werte im Normbereich – Blutdruck (acht Kassen), Blutzucker (sechs Kassen) und Cholesterin (fünf Kassen) – gibt’s Geld. Addiert man die Prämien für Früherkennung und sportliche Aktivitäten hinzu, können Versicherte zwischen 30 und 300 Euro pro Jahr an Prämien über ihr jeweiliges Bonusheft erzielen. Die AOK Rheinland/Hamburg „versüßt Nichtstun“ am konsequentesten mit „Bonus-Bonbons“, urteilen die Verbraucherschützer. Für den Nachweis von vier normalen Messwerten für BMI, Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin gibt’s 100 Euro im Jahr.

Vier Krankenkassen verlangen zum Testat von passiven Einzelwerten noch den Nachweis einer sportlichen Betätigung: Die DAK-Gesundheit zahlt 210 Euro für fünf Belege mit Okay-Werten plus einer Fitness-Aktivität in ihrem Bonusheft. Die Deutsche BKK pocht auf vier Gesundheitswerte plus Sportkurs und zeichnet die bescheinigte Minimal-Anstrengung mit 150 Euro aus. Die Barmer GEK und die Kaufmännische Krankenkasse KKH begnügen sich jeweils mit drei Stempelbelegen plus einmal Schwimmverein, Gymnastik oder Lauftraining und honorieren das Ergebnis mit 100 Euro.

Die Verbraucherschützer bilanzieren, dass viele Kassen mit ihren Bonusheften ein Belohnungssystem böten, dass sich für Vornherein-Fitte viel mehr auszahle als für Versicherte, die sich für den Erhalt oder die Wiederherstellung ihrer Gesundheit abmühen müssen und dafür nicht mehr als 30 bis 40 Euro kassieren könnten. Daher fordern sie ein Umdenken: "Krankenkassen sollten damit aufhören, gesunde Laborwerte zu honorieren und stattdessen diskriminierungsfreie Bonusprogramme schaffen, die allen Versicherten ungeachtet ihrer Voraussetzungen und Gesundheit gleiche Anreize bieten."

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