Nach mehreren Jahren Entwicklungs- und Pilotarbeit startet die Hilfsmittelbranche in die nächste Phase der Digitalisierung. Unter dem Motto „Digital verbunden. Menschlich versorgt.“ bündelt die Initiative „TI für Deutschland 2.0“ künftig die Aktivitäten zur Einführung erster Fachanwendungen der Telematikinfrastruktur (TI). Ziel sind effizientere Prozesse, eine stärkere digitale Vernetzung und eine patientenorientierte Hilfsmittelversorgung.
Grundlage der Initiative ist das seit 2021 laufende Pilotprojekt eVerordnung für orthopädische Hilfsmittel unter Leitung des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT). Gemeinsam mit Softwareherstellern, Industrie, Leistungserbringern, Krankenkassen und weiteren Verbänden wurde erstmals eine durchgängige digitale Prozesskette von der elektronischen Verordnung über die Versorgung bis zur Abrechnung entwickelt und unter realen Bedingungen erprobt.
„Das Pilotprojekt hat gezeigt, dass digitale Prozesse in der Hilfsmittelversorgung funktionieren und für alle Beteiligten einen echten Mehrwert schaffen. Die Ergebnisse der tausenden Feldtests belegen, dass sich bürokratischer Aufwand durch die TI reduzieren und Versorgungsprozesse spürbar beschleunigen lassen”, erklärt Thomas Münch, Präsidialbeauftragter für Digitalisierung des BIV-OT und Mitglied des Lenkungskreises.
Die Initiative soll die Anforderungen der TI gemeinsam mit Leistungserbringern aus Orthopädie, Reha und Homecare frühzeitig in die Versorgungspraxis überführen. Bereits vor der gesetzlichen Frist 2030 soll eine bundesweit einheitlich nutzbare digitale Infrastruktur entstehen. „TI für Deutschland 2.0“ ist als offene Brancheninitiative angelegt. Zur Mitarbeit eingeladen sind unter anderem Leistungserbringer, Industriepartner, Softwarehersteller, Abrechnungsdienstleister, Krankenkassen, die gematik, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und das Bundesministerium für Gesundheit.
Vier Handlungsfelder für die digitale Versorgung
Im Mittelpunkt stehen vier strategische Handlungsfelder. Unter dem Schwerpunkt „TI-Ready“ sollen Leistungserbringer auf die technische Anbindung an die Telematikinfrastruktur vorbereitet und dabei begleitet werden. Das Handlungsfeld „Digitale GKV-Prozesse“ umfasst die Evaluation und Nutzung von Kommunikationslösungen wie Kommunikation im Medizinwesen (KIM) und TI-Messenger (TIM). Zudem sollen die Ergebnisse des Pilotprojekts in den Regelbetrieb überführt und die elektronische Hilfsmittelverordnung bundesweit eingeführt werden.
Ein weiteres Handlungsfeld sieht vor, Praxiserfahrungen systematisch in gesetzliche und regulatorische Prozesse einzubringen. Darüber hinaus sollen gemeinsame Standards entwickelt und die digitale Vernetzung innerhalb der Hilfsmittelversorgung gestärkt werden.
„Deshalb versteht ‚TI für Deutschland 2.0′ Digitalisierung nicht als reines IT-Projekt, sondern als gemeinsames Versorgungsprojekt, das nur im Schulterschluss von Politik, Selbstverwaltung, Industrie und Leistungserbringern erfolgreich umgesetzt werden kann”, betont Münch. Die Initiative bietet der Politik zugleich an, neue Anwendungen gemeinsam mit Leistungserbringern und Industrie zu spezifizieren und frühzeitig unter realen Versorgungsbedingungen zu erproben.
Die gemeinsame Leitung übernehmen der BIV-OT, die Opta Data Gruppe und der Verband Versorgungsqualität Homecare (VVHC). Ein Lenkungskreis legt die strategische Ausrichtung fest und entscheidet über Meilensteine, Ressourcenprioritäten und wesentliche Projektänderungen.