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PDSG-Anhörung

IGHV fordert: Hilfsmittel-Informationen in ePA integrieren

Die Informationen zu Hilfsmittelversorgungen müssen schnellstmöglich in die elektronische Patientenakte (ePA) eingebunden werden. Das fordern die in der IGHV zusammengeschlossenen Hilfsmittelverbände.

Bislang sei vorgesehen, dass die Versorgung durch Physio- und Psychotherapeuten, Pflegepersonal und Hebammen in der ePA verarbeitet werden kann und diese Berufsgruppen entsprechend an die ePA-Strukturen angebunden werden, teilt die Interessengemeinschaft Hilfsmittelversorgung mit. „Die ePA-Regelungen müssen sich auch auf die Hilfsmittelversorgungen erstrecken. Die Hilfsmittel-Leistungserbringer müssen in die Regelungen nach § 352 SGB V einbezogen werden“, fordert die IGHV daher in einem Positionspapier im Vorfeld der Anhörung zum Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) am 27. Mai 2020.

In der IGHV sind die Verbände BEH, BVMed, BIV-OT, BVZ, EGROH, Eurocom, f.m.p., Innungsverband Orthopädie-Schuhtechnik NRW, QVH, RehaKind, RehaVital, RSR, Sanitätshaus Aktuell, Spectaris, VVHC und ZVOS zusammengeschlossen.

„Die Digitalisierung der Prozesse in der Gesundheitsversorgung bietet für alle Beteiligten – vom Patienten über die Versorgungspartner bis hin zur Krankenkasse – erhebliche Vorteile. Dieses Potenzial muss so schnell wie möglich auch für die Patientenversorgung mit Hilfsmitteln genutzt werden“, kommentiert BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll die IGHV-Forderung.

Im Entwurf zum PDSG konkretisiert der Gesetzgeber die Vorhaben zum Ausbau von Telematik-Infrastruktur (TI) und ihren Anforderungen. Im Besonderen soll hierbei ein verlässlicher und datensicherer Rahmen für die elektronische Patientenakte (ePA) geschaffen werden. “Leider wird nach wie vor keine Regelung getroffen, dass die Informationen zur Hilfsmittelversorgung in die digitale Patientenakte eingebunden werden können“, bemängelt die IGHV.

Die Hilfsmittel-Leistungserbringer sind in ihrer Arbeit in täglichem Austausch mit Ärzten, entlassenden Kliniken und Pflege und stellen diesen versorgungsbezogene Informationen sowie Dokumentationen über konkrete Versorgungen zur Verfügung. „Dieser Informationsaustausch mit ärztlichen und nicht-ärztlichen Leistungserbringern ist im Sinne einer sicheren Versorgung unerlässlich und muss dabei die Möglichkeiten eines weiterentwickelten Informationsaustausches, wie ihn die digitale Patientenakte bietet, nutzen können“, heißt es in dem Positionspapier. „Nur so kann eine informationsdurchlässige, medienbruchfreie und datensichere Hilfsmittelversorgung gewährleistet werden.“

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wir als Orthopädie-Techniker täglich mit Ärzten und Therapeuten im Kontakt stehen, um uns über den Verlauf und Erfolg der Patientenversorgung auszutauschen“, sagt Alf Reuter, Präsident des BIV-OT und bundesweiter Vertreter der Sanitätshäuser und orthopädietechnischen Werkstätten. „Gerade bei multimorbiden Patienten mit umfassendem Versorgungsbedarf ist Interdisziplinarität und Interprofessionalität gefragt. Daher ist es mir unbegreiflich, dass die Hilfsmittelversorgung bis heute keine Berücksichtigung in der elektrischen Patientenakte findet.“

Reuter fügt hinzu: „Eine verzögerte Anbindung der Hilfsmittelversorgung an ePA-Strukturen gefährdet eine qualitätsgesicherte Patientenversorgung: Informationsverluste durch Medienbrüche sind angesichts der technischen Möglichkeiten nicht akzeptabel. In ihrem Positionspapier macht die IGHV deutlich, welche Konsequenzen für die Patientenversorgung entstehen können, solange die Hilfsmittelversorgung nicht als relevanter Teil des Versorger-Netzwerks begriffen wird. Unsere Forderung im Rahmen der IGHV nach Integration in die ePA ist daher nur folgerichtig.“

Der Industrieverband Spectaris weist außerdem darauf hin, dass auch die industrielle Gesundheitswirtschaft einen geregelten Zugang zu Gesundheitsdaten erhalten muss. „Um die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland umfassend zu nutzen, braucht es einheitliche Regeln für den transparenten Zugang zu Versorgungs- und Forschungsdaten. Das gilt nicht nur für forschende Institute, sondern auch für die forschende Medizintechnik-Industrie“, betont Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik bei Spectaris. „Die private Forschung ist die treibende Kraft bei der Übersetzung von Grundlagenforschung in nutzenstiftende Diagnostik, Gesundheitsanwendungen und innovative Therapien für Patienten.“

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Tobias Kurtz / 25.05.2020 - 10:54 Uhr

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