Die Untersuchung wurde von der AGE Platform Europe – einem Netzwerk, das über 40 Millionen ältere Menschen in Europa vertritt – und dem Hygieneproduktehersteller SCA durchgeführt. Befragt wurden laut Mitteilung Menschen mit Inkontinenz und pflegende Angehörige in Deutschland, Polen, England und Spanien. Ziel der Studie war es, zu ermitteln, was Patienten und pflegende Angehörige über die in ihrem Land verfügbaren Inkontinenz-Produkte wissen und inwieweit sie in die Produktauswahl eingebunden sind.
Die Ergebnisse in Kürze: Jeder vierte Befragte empfindet die von den Vertragspartnern der Krankenkassen zur Verfügung gestellten Inkontinenz-Produkte als ungeeignet, um aktiv am Alltag teilzunehmen. 43 Prozent hatten das Gefühl, die Produkte eigneten sich nicht, um sie während der Arbeit zu tragen. 41 Prozent fühlten sich von den Inkontinenz-Produkten im Schlaf gestört. Fast 40 Prozent bemängelten, dass sie keinen Einfluss auf die Produktauswahl hätten. 75 Prozent gaben an, dass sie zusätzliche Produkte aus eigener Tasche bezahlen müssen.
"Aufgrund des demografischen Wandels wird es immer wichtiger, dass die Versorgung von inkontinenten Menschen ihren individuellen Bedürfnissen und Vorlieben entspricht", sagte die Generalsekretärin der AGE Platform Europe, Anne-Sophie Parent, bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Bei der Pflege von Menschen mit Inkontinenz sei noch viel Spielraum für Verbesserungen vorhanden. "Betroffene könnten viel stärker in die Auswahl von Inkontinenz-Produkten einbezogen werden."
Inkontinenz: drei Schlüsselfaktoren
Für eine größere Unabhängigkeit und Zufriedenheit im Alltag von inkontinenten Menschen hebt die Studie drei Schlüsselfaktoren hervor. Dazu gehören neben der stärkeren Einbeziehung in die Produktauswahl vor allem eine verbesserte Information und mehr Wissen über die verfügbaren Inkontinenz-Produkte sowie eine Erstattung der Krankenkassen, die sich an den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen orientiert. "Viele Betroffene wünschen sich Beratung zu aktiven Maßnahmen der Kontinenzförderung und natürlich auch zu Hilfsmitteln", erklärt die Pflegewissenschaftlerin Dr. Daniela Hayder-Beichel. Diesem Beratungs- und Unterstützungsbedarf würde in Deutschland jedoch zu selten nachgekommen. "Hier gilt es neue Strategien im Gesundheitswesen zu entwickeln und erste gute Ansätze auszubauen", so Daniela Hayder-Beichel. Beispielsweise müsste das Netz an Kontinenzberatungsstellen dringend ausgebaut und nachhaltig finanziert werden.