In der Gesprächsrunde sprachen die GesundheitsProfi-Redakteure Tobias Kurtz und Laura Klesper mit Alexander Behrmann (Sanitätshaus Behrmann, Darmstadt), Ulrich Clausen (Initiator des Sanitätshaus-Netzwerks Vital-er-leben), Felix Jacobi (Mediaktiv, Mühlhausen) und Bert Lange (RAS Team, Melle).
GP: Wie hat sich das Arbeitsaufkommen in den letzten zwei, drei Jahren entwickelt?
Alexander Behrmann: Wir machen einen großen Teil unseres Umsatzes mit der Rehatechnik. Da hat das Arbeitsaufkommen schon sehr zugenommen, obwohl wir das nicht aktiv vorangetrieben haben. Leider Gottes ist das aber auch aktuell der unwirtschaftlichste Bereich aufgrund steigender Einkaufspreise, Frachtkosten und Personalengpässen.
Felix Jacobi: Bei uns sieht die Situation ähnlich aus. In den letzten zwei Jahren hat sich im Reha-Bereich viel aufgestaut, weil Lieferungen ausblieben und man schauen musste, zu welchen Preisen man die Ware bekommt. Auch die Schuhtechnik wächst, u.a. weil die Patienten nicht zum Arzt gegangen sind. Das Sanitätshaus machte ebenfalls einen Sprung nach vorne.
Das Problem ist, wie man den zunehmenden Anfragen gerecht wird. Wir müssen das Arbeitsaufkommen händeln. Zu sagen, wir machen alles, und am Ende des Tages leidet die Qualität, geht ja nicht.
GP: Das Kundenaufkommen steigt also. Wie bewerten Sie den bürokratischen Aufwand?
Behrmann: Die MDR, das HHVG sowie ein enger gestricktes Datenschutzgesetz gehen mit viel Dokumentation einher. Parallel gibt es unterschiedliche Vorgaben durch die Vielzahl an Kassenverträgen. Seien es Erhebungsbögen oder andere vordefinierte Dokumente. Und dann gibt es noch die Mehrwertsteuer-Problematik. Es ist für mich nicht ersichtlich, dass so etwas in der Branche existiert.
Jacobi: Jeder Mitarbeiter im Außendienst könnte in der heutigen Zeit ein Tablet haben, alle unterschreiben darauf, und wir beenden den Papierkram.
GP: Genau. So stellt sich das für uns auch immer dar, wenn neue digitale Lösungen vorgestellt werden.
Jacobi: Aber hinterher verschicke ich an die Krankenkasse doch immer noch einen
dicken Umschlag mit Informationen, die schon in einer Datei erfasst sind. Warum braucht es also noch das Papier?
Bert Lange: Das Schimpfen auf den Verwaltungsaufwand ist so alt wie das Geschäft. Und der Unterscheidung zwischen Aufwand, der Geld bringt, und dem, der keines bringt, kann ich nicht folgen. Die alte handwerkliche Sichtweise, dass nur die Zeiten gut sind, in denen ich „den Hammer in der Hand halte“, ist unrealistisch. Ich muss natürlich verwalten.
Beim Schimpfen auf die Verwaltung muss ich mir im Übrigen an die eigene Nase fassen. Auch meine Mitarbeiter verhalten sich an vielen Stellen extrem bürokratisch – wie ein Amt. Es treten dieselben Phänomene auf wie in größeren Institutionen. Menschen in Verwaltungsfunktionen umgeben sich mit Regeln und argumentieren, „das haben wir immer so gemacht“ oder „das muss eben so gehen“. Man grenzt sich ab gegen andere Abteilungen. Dagegen muss man ankämpfen.
Ob der bürokratische Aufwand wirklich gestiegen ist? Ich bin mir gar nicht so sicher. Wenn der Umsatz ständig steigt, dann natürlich auch alles, was dazu gehört.
Ich empfinde die Kassenverträge im Übrigen als sehr großen Vorteil, auch wenn sie zum Teil schlecht sind. Aber wenn unsere Branche einen ganz wesentlichen Vorteil hat, dann die Sicherheit, alles bezahlt zu bekommen. Das ist in anderen Branchen nicht so. Das stark regulierte System, das uns als aufwändig und bürokratisch erscheint, hat seine Vorteile.
Die gesamte Gesprächsrunde können Sie im ePaper von Gesundheitsprofi Ausgabe 09/22 lesen.