Länderübergreifend gute Geschäftskontakte werden für die Hersteller von Medizintechnik und Medizinprodukten immer wichtiger. Nur wer international gut aufgestellt ist, kann Schwächen einzelner Märkte kompensieren und langfristig vom global betrachtet wachsenden Markt profitieren. Das ist eine Botschaft, die sich nach den vier Veranstaltungstagen der diesjährigen Medica vom 20. bis 23. November ziehen lässt.
Mehr als die Hälfte der gut 132.000 Fachbesucher (Vorjahr: 130.600) waren internationale Besucher, die aus mehr als 120 Nationen anreisten. Sie informierten sich bei den 4.641 Ausstellern aus 66 Nationen über die gesamte Bandbreite an Neuheiten für die medizinische Versorgung – von Medizintechnik und Elektromedizin, Labortechnik, Physiotherapieprodukten und Orthopädietechnik bis hin zu Health IT. "Gerade aus den für die Medizintechnik-Industrie besonders interessanten Schwellenländern wie etwa dem asiatischen Raum, aus Indien, aus Russland oder auch aus Südamerika und China beobachten wir in den letzten Jahren ein immer stärkeres Besucherinteresse", sieht Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, die Medica mit ihrem hohen Internationalitätsgrad als führende Plattform für das weltweite "MedTech"-Business bestens positioniert.
Seine Einschätzung entspricht den Verlautbarungen der Industrieverbände Spectaris, Zvei und BVMed. Demnach erwirtschafte die Medizintechnik-Industrie hierzulande mittlerweile 68 Prozent ihres aktuellen Jahresumsatzes von knapp 23 Mrd. Euro über internationale Geschäfte. "Die Exportquote ist nicht nur hoch. Es ist auch fast ausschließlich das Auslandsgeschäft, von dem Wachstumsimpulse ausgehen. Der deutsche Markt ist dagegen hart umkämpft, nicht zuletzt von vielen internationalen Playern", erklärt Spectaris-Geschäftsführer Dr. Tobias Weiler.
Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) sieht hierzulande auch einen immer stärkeren Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften. Diese Konzentration der Einkaufsmacht spiegelt auch die Medica wider. "Die Zahl der Klinikträger geht zurück. Damit bündelt sich die Nachfrage in immer größeren Versorgungsverbünden und Klinikkonzernen. Zur Medica kommen demnach Entscheidungsträger von besonderer Qualität", betont Horst Giesen, Director der Medica und Compamed der Messe Düsseldorf. Mehr als 80 Prozent der Besucher sind maßgeblich oder fachlich beratend an Einkaufsentscheidungen beteiligt.
Praktikables für alle – Spezialwissen für die Fachszenen
Um der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegenen Zahl der internationalen Besucher nicht nur mit dem Fachmesse-, sondern auch dem Tagungsangebot gerecht zu werden, wurde das Kongressprogramm überarbeitet. Die neu konzipierte Medica Education Conference fand laut Veranstalter an allen Veranstaltungstagen eine gute Teilnehmerresonanz. Kurse für die ärztliche Fortbildung zu allgemeinmedizinischen Themen oder auch Praxiskurse am Gerät waren mit nationaler und europäischer CME-Zertifizierung als unverzichtbare Basis ebenso Konferenzbestandteil wie wissenschaftlich anspruchsvolle besetzte Seminare. Diese Vorträge waren bilingual (deutsch-englisch) ausgelegt und vermittelten aktuelle Aspekte zu Gendermedizin, Infektiologie, Hygiene und personalisierte Medizin.
Ab 2014 wird – wie seit Längerem geplant – die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), mit mehr als 22.000 Mitgliedern eine der größten medizinischen Fachgesellschaften Europas, Partner für die inhaltliche Durchführung der Medica Education Conference. Ebenfalls an internationales Publikum richtete sich die Medica Medicine + Sports Conference für die Belange der Sportmedizin. Die Konferenz realisierte inhaltlich eine enge Verzahnung von medizinischer Wissensvermittlung einerseits und der Vorstellung relevanter Produktneuheiten andererseits. Anzuführen sind etwa Applikationen zur körpernahen Erfassung von Vitaldaten oder "Anti-Schwerkraft"-Laufbänder für schonendes Rehabilitationstraining.
Die künftigen Herausforderungen der Krankenhauspolitik nahm unter dem Generalthema "Fair finanziert – Krankenhäuser brauchen Zukunft" der 36. Deutsche Krankenhaustag in den Fokus. Neben der politischen Diskussion bildeten die Herausforderungen an das Pflegemanagement durch die alternde Bevölkerung, die Krankenhausplanung oder die ambulante spezialfachärztliche Versorgung weitere Schwerpunkte. Auf große Resonanz stieß ebenfalls die Informationsveranstaltung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zur Weiterentwicklung des Fallpauschalensystems sowie zum neuen Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen. Krankenhaustag und European Hospital Conference zählten knapp 1.900 Teilnehmer.
IT-Markt wird aufgemischt
Die von den Ausstellern präsentierten Neuheiten deuten auf eine immer stärkere IT-Durchdringung des Gesundheitsbereichs (inklusive der Patienten) hin. Beispielhaft zu nennen sind zahlreiche Wireless-Lösungen für das Echtzeit-Monitoring von Patienten und kompakte Telemedizin-Applikationen für den Einsatz fernab von Arztpraxen und Kliniken. Die Palette an handlichen und leichtbedienbaren Geräten zur Messung verschiedenster Körperparameter wächst. Die Datenauswertung übernehmen jeweils Smartphone oder Tablet-PC mittels entsprechender Health-Apps.
Wo allerdings immer mehr sensible Daten bewegt werden, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Datensicherheit. Passende Antworten gab das Medica Health IT Forum. "Big Data" war eines der brandaktuellen Diskussionsthemen. Dabei wurde klar: Zumindest in Bezug auf die Telematikinfrastruktur rund um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) dürfen sich Ärzte und Patienten weitestgehend sicher fühlen. Denn diesbezüglich erfolgt die Speicherung der Patientendaten dort, wo dies bisher (in Form von Papierakten) jetzt schon der Fall ist – beim Arzt.