Künstliche Intelligenz (KI), Telemedizin, Wearables, elektronische Patientenakten oder Big Data sind nur einige Schlagworte, welche die Gesundheitswirtschaft umtreiben. Im Health IT Forum der Fachmesse Medica (13. bis 16 November 2023) wird analysiert, inwieweit dadurch die medizinische Versorgung zeitgemäß ausgestaltet werden kann.
So diskutiert Prof. Michael Forsting, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie der Universitätsmedizin Essen, im Rahmen eines Expert Panels am 14. November über die Möglichkeiten von ChatGPT im Medizinbereich? Er glaubt: „Auf absehbare Zeit ist dies nicht disruptiv.“ Dennoch: „Der Computer schreibt Dinge, über die wir verwundert sind. Er scheint mehr zu sein als bloße Rechenmaschine. Das hat auch Auswirkungen auf die Medizin.“
Forsting nennt das Beispiel einer einfacheren Sprache in Arztbriefen. Ärztinnen und Ärzte nutzten normalerweise eine Terminologie, die für sie untereinander gut verständlich, eindeutig und gut für die Expertenkommunikation sei. Aber für Patientinnen und Patienten? „Wenn man die Basisinformationen in einfacherer Sprache weitergeben will, dann kann man dies mit ChatGPT schnell hinkriegen, ohne dass das viel Mehrarbeit bedeutet“, betont Prof. Forsting.
So ähnlich sei dies auch beim fachlichen Verfassen von Befunden. ChatGPT sei in der Lage, einem Bericht Struktur zu geben und dies in eine einfachere, prägnantere Sprache zu übersetzen. Das Produkt könne man vermutlich sogar in Datenbanken einpflegen. Allerdings würde gerade ChatGPT nicht immer bei der Wahrheit bleiben. Das liege nach Einschätzung von Forsting unter anderem an der Datengrundlage: „Wenn Sie den Algorithmus aber isoliert mit medizinischen Texten füttern, dann wird die KI dramatisch besser.“
Die Qualität der Antworten könnte also stark gesteigert werden, hätte ChatGPT Zugriff direkt auf Datenbanken. Diese Digitalisierung würde zwar die Ärzteschaft nicht ersetzen, aber die Arbeit doch erleichtern, zum Beispiel in Bezug auf das Arztbriefschreiben aus elektronischen Patientenakten, so Forsting.
Er fasst zusammen: „Es geht darum, den absehbaren Arztmangel irgendwie zu kompensieren.“ Aber die Bewertung „disruptiv“ lasse sich erst im historischen Rückblick treffen.