Von März bis Mai 2024 befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eines unabhängigen, externen Instituts rund 70 Gutachterinnen und Gutachter, teilt der MD Bund mit. Die Ergebnisse: Die Erfahrungen mit den strukturierten Telefoninterviews sind insgesamt positiv und attestieren diesem Begutachtungsformat eine verlässliche Eignung zur Erfassung von Pflegebedürftigkeit. Essentiell für den Erfolg sind die kommunikativen Erfahrungen und Fähigkeiten der Gutachterinnen und Gutachter, die durch entsprechende Schulungen unterstützt und gefördert würden.
In der Evaluation stellte die beauftragte M+M Management + Marketing Consulting fest, dass das strukturierte Telefoninterview auch von den Pflegebedürftigen und ihren An- und Zugehörigen positiv angenommen wird. Die Betroffenen beschrieben die Begutachtung am Telefon als weniger belastend und als alltagstauglich. Die Versicherten gaben zudem an, dass die Gutachterinnen und Gutachter des MD in der Begutachtungssituation Orientierung geben, einfühlsam fragen und aktiv zuhören.
Videobegutachtung als nächster Schritt
„Das strukturierte Telefoninterview ist eine sinnvolle und geeignete Ergänzung der Begutachtungsformate zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und kann dauerhaft in die Praxis übernommen werden“, sagt Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund.
In der Evaluation wurden zudem die Erfahrungen der Medizinischen Dienste mit der Videobegutachtung ausgewertet, die im nächsten Schritt vorangebracht werden sollte. Die videobasierte Begutachtung wird die Möglichkeiten ortungebundener Begutachtungen in Zukunft erweitern: Die Befragten sehen hier im Vergleich zum Telefoninterview den Vorteil der visuellen Mehrinformationen. Daher kommt die Videotelefonie der Begutachtung im Hausbesuch sehr nahe.
„Es wird nun darauf ankommen, den Mix an unterschiedlichen Begutachtungsformaten in der Praxis bestmöglich auszugestalten, auch vor dem Hintergrund der steigenden Zahlen an Pflegebegutachtungen“, sagt Carola Engler. Hindernis für den Einsatz sind derzeit noch die fehlenden technischen Voraussetzungen bei den Versicherten – sowohl in Pflegeheimen als auch im häuslichen Umfeld ist der Zugang zu stabilem Internet und W-LAN vielerorts noch nicht verfügbar.