Wie das Unternehmen weiter mitteilte, wurde der Kaufvertrag in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 21. September, unterzeichnet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Insolvenzverwalter Hans-Peter Burghardt, Herford, sagte anlässlich der Vertragsunterzeichnung: "Die Zukunft des Unternehmens ist gesichert. Das ist eine gute Nachricht für das Unternehmen, für den Standort und für die Kunden. Ich freue mich sehr, dass wir mit der Medort-Gruppe einen passenden Partner für Meyra finden konnten." Die Medort-Gruppe hat bereits entschieden, dass die Marken Meyra und Ortopedia fortgeführt werden.
Die Medort-Gruppe hatte sich gegenüber mehr als 50 potenziellen Investoren durchgesetzt. Acht Interessenten hatten ein konkretes Angebot abgegeben. "Das Angebot der Medort-Gruppe war mit Abstand am attraktivsten für das Unternehmen und für die Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass Medort ein Unternehmen aus der Branche ist und damit über das notwendige Know-how verfügt, Meyra in eine erfolgreiche Zukunft zu führen", so Burghardt weiter.
Medort produziert und vertreibt Rehabilitations- und Orthopädie-Produkte, unterhält rund 70 Outlets und beschäftigt mehr als 350 Mitarbeiter in Polen. Medort gehört zum Portfolio der polnischen Private Equity Gesellschaft Avallon, die Beteiligungen an zahlreichen Unternehmen unterhält. Meyra Ortopedia werde sich künftig auf den westeuropäischen Markt konzentrieren. Perspektivisch sollen auch Wachstumschancen in Übersee geprüft werden.
Die Standorte Kalletal und Kiel sollen erhalten bleiben. Ein neuer Haustarifvertrag mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2022 sieht eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 40 Stunden sowie einen Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld bis zum Jahr 2016 vor. Ab 2017 soll die wöchentliche Arbeitszeit wieder schrittweise reduziert werden. Zudem soll die Belegschaft auch an einem positiven Geschäftsverlauf beteiligt werden. "Der Haustarifvertrag bis zum Jahr 2022 und die erklärte Absicht, die Standorte Kalletal und Kiel zu erhalten, sind sehr klare und positive Signale des neuen Eigentümers an die Belegschaft. Gleichzeitig leisten die Mitarbeiter durch die Erhöhung der Arbeitszeit und den Gehaltsverzicht einen wichtigen Beitrag zur Sanierung, können aber von künftig positiven Geschäftsentwicklungen profitieren", kommentierte Burghardt das Verhandlungsergebnis.
Der Geschäftsbereich Service und Ersatzteile des ebenfalls zur Gruppe gehörenden Unternehmens Petri + Lehr geht mit auf die Medort-Gruppe über. Für den Geschäftsbereich behindertengerechte Fahrzeugumrüstung zeichnet sich laut Burghardt eine gesonderte Lösung ab.
240 Arbeitsplätze bleiben im Unternehmen erhalten. Um die Kapazitäten an die Nachfrage anzupassen, sei jedoch ein Abbau von weiteren 43 Arbeitsplätzen bei Meyra Ortopedia notwendig. In den Verhandlungen mit Medort wurde vereinbart, dass für die von Kündigung betroffenen Mitarbeiter eine Transfergesellschaft für den Zeitraum von zwölf Monaten eingerichtet wird. In dieser Zeit haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote zu nutzen. "Bei aller Freude über den erfolgreichen Verkauf des Unternehmens ist es mehr als tragisch, dass die Zukunftssicherung des Unternehmens für viele Mitarbeiter zu spät kommt. Das wirft auch ein Licht auf die Überkapazitäten, die hier in den letzten Jahren viel zu lange hingenommen wurden", sagte Burghardt.
Die Medort-Gruppe wird Meyra Ortopedia sowie die dann rund 240 Mitarbeiter des Unternehmens mit Wirkung zum 1. November 2013 übernehmen. Der Geschäftsbetrieb wird bis dahin normal fortgeführt. Die Übernahme erfolgt in Form eines Asset Deals, der Käufer übernimmt dabei Vermögensgegenstände wie Gebäude und Produktionsmaschinen. Die Verbindlichkeiten des Unternehmens gehen nicht auf den Käufer über.