Die Stellungnahme der DMSG stehe dem Vertrieb des Exopulse Mollii Suit nicht entgegen. Hoefer: „Wir haben dieses Produkt in unseren Vertrieb aufgenommen, damit Betroffenen der Zugang zu dieser neuen Technologie ermöglicht wird. So konnte in Deutschland zwischenzeitlich ein hochqualifiziertes Versorgungsnetzwerk aufgebaut werden, das mit dem Exopulse Mollii Suit sehr gute Erfahrungen gemacht hat. In ca.100 zertifizierten Sanitätshäusern können Menschen mit Spastiken, zum Beispiel verursacht durch MS, den Anzug testen. Häufig sieht man schon nach der ersten Tagestestversorgung, ob die Stimulation bei der Person hilft: Spastische Muskeln werden entspannt, der Bewegungsumfang und das Gleichgewicht verbessert. Im Anschluss hat der Betroffene die Möglichkeit, die Wirkung des Anzugs vier Wochen zu testen, bevor er oder sie sich für eine Definitivversorgung entscheidet und den Anzug kauft bzw. die Kostenübernahme beim Erstatter beantragt. Gerade, weil nicht alle Menschen mit MS auf den Exopulse Mollii Suit in gleicher Weise reagieren, erachten wir diese Vorgehensweise der Austestung mit ggf. anschließender Erprobung des Anzugs als wichtigen Schritt zur Absicherung einer erfolgreichen Anwendung.“
Aktuell gebe es keine einheitlich geregelte Kostenübernahme für den Anzug. „Es liegt im Ermessen der Krankenkassen, die Kosten zu übernehmen“, so Hoefer. „Hierfür legen die Antragsteller Nachweise über die Wirksamkeit und Notwendigkeit vor, wie ärztliche Atteste, Stellungnahmen von Fachärzten oder Therapeuten, Dokumentationen aus der Testphase sowie Video-Belege. Unterstützung und Beratung bieten Sanitätsfachgeschäfte. Inzwischen gibt es eine Reihe von Einzelfallentscheidungen, in denen Krankenkassen die Kosten für den Anzug übernommen haben.
Studienzwischenergebnisse im Sommer 2024
Einige wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Fokusindikationen wie Zerebralparese, Multiple Sklerose und Schlaganfall sind bereits abgeschlossen. Ein Beispiel ist die Untersuchung von Hahn et al, veröffentlicht im September 2023 in Biomedical Engineering. Weitere Studien werden aktuell in Deutschland, Frankreich, Schweden und den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt mit unterschiedlichen Schwerpunkten (siehe hier), so Hoefer. „Da sich diese Studien noch in der Durchführung befinden, können hier noch keine Ergebnisse bekannt gegeben werden. Erste Zwischenergebnisse werden für Sommer 2024 erwartet.“
Falls Sanitätsfachhändler von Kundinnen und Kunden mit MS auf die Stellungnahme der Fachgesellschaft angesprochen werden, rät Philipp Hoefer: „Sanitätsfachhändler können ihren Kunden mit MS die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen mit dem Anzug zu sammeln. Denn nur ein persönlicher Test zeigt, ob und wie die Stimulation des Exopulse Mollii Suit wirkt. Für viele Menschen ist der Anzug ein nicht mehr wegzudenkendes Hilfsmittel, das ihr Leben positiv verändert hat.“