Ob ein gebrochener Rollstuhlrahmen oder Schmerzen durch eine falsch sitzende Prothese – in der Werkstatt des Olympischen Dorfs steht ein 161-köpfiges Team aus 41 Nationen bereit, jedes noch so kleine Problem der Athletinnen und Athleten zu beheben. Als langjähriger Partner des International Paralympic Comitees (IPC) stellt Ottobock auch in diesem Jahr den technischen Service vor und während der Spiele, damit sich die AthletInnen keine Sorgen um ihre technischen Hilfsmittel machen müssen. Den Startschuss für die Ottobock-Werkstatt machten die Spiele in Seoul 1988, bei denen ein vierköpfiges Team von Ottobock-Mitarbeitern aus Australien den Sportlern und Sportlerinnen unkomplizierte Hilfe vor Ort anboten. Seitdem hat Ottobock jede Ausgabe der Paralympics mit einer Werkstatt begleitet.
Bonjour á Paris
Auch bei den diesjährigen Spielen in Paris öffnet die Werkstatt ihre Pforten. Auf 720 qm findet sich die diesjährige Werkstatt, mitten im Olympischen Dorf in Saint Denis, welches nach Ende der Olympischen Spiele nun auch für die Paralympics die Heimat vieler Athleten und Trainer sein wird. Peter Frenzel, Leiter des Technischen Services vor Ort betont: „Unsere Reparaturen vor Ort sind oftmals ausschlaggebend, ob die Athleten antreten können oder nicht.“ Um den Sportlerinnen und Sportlern auch kurz vor den Wettbewerben unbürokratisch und kostenlos Hilfe leisten zu können, finden sich an allen 14 Wettkampfsorten, an denen technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen, mobile kleinere Werkstätten. Das hat in der Vergangenheit schon dem ein oder anderen Teilnehmer geholfen, seine Medaille zu gewinnen. „Wir hatten einmal einen Rollstuhlrennfahrer, der vor Beginn seines Wettbewerbs feststellen musste, dass jemand seine Räder mit einem Messer manipuliert haben musste. Unsere Techniker konnten die Räder schnell austauschen und der Sportler konnte sein Rennen antreten. Am Ende stand er mit der Goldmedaille auf dem Treppchen“, erzählt Peter Frenzel von einem besonders prägnanten Versorgungsfall.
Mit modernster Technik und einer Menge Material
Die Werkstatt ist auch in diesem Jahr mit der modernsten Technik ausgestattet, um den Technikern aus aller Welt ein gutes Arbeitsumfeld bieten zu können. „Das Thema Digitalisierung spielt für uns natürlich eine große Rolle, weshalb wir in diesem Jahr alle Schritte der Reparaturen tracken und sogar mithilfe eines 3D-Druckers Prothesenschäfte drucken können“, berichtet Frenzel. Aus den getrackten Daten würden unter anderem Kenntnisse für die nächsten Spiele in Los Angeles gezogen werden, sie dienen aber auch der Nachvollziehbarkeit der Reparaturen. Denn die Hilfe beschränkt sich, wie Frenzel betont, nicht allein auf Ottobock-Produkte. Das zeigt sich auch im Materiallager, in dem die Techniker neben Werkzeug und Material im metrischen System auch auf Athleten mit Inch-System vorbereitet sind.
Große Verantwortung gegenüber den Athleten
Insgesamt habe man rund 23 Tonnen Equipment nach Paris gebracht. Sollte dennoch einmal etwas fehlen, sei dank der Ottobock-Standorte in Frankreich und der Nähe zum Heimatland Deutschland eine Nachlieferung innerhalb von 24 Stunden möglich. Neben einer Ständerbohrmaschine, einer Abteilung für Thermoplastische Arbeiten und der Digitalstation mit 3D-Drucker und Scanner finden sich in der Werkstatt auch je eine Nähmaschine für Stoff und für Leder. Denn das Team von Ottobock möchte für wirklich jeden Fall vorbereitet sein. „Wir haben eine große Verantwortung gegenüber den Sportlern. Wenn die Athleten kurz vor dem Wettbewerb zu uns kommen, können wir nicht erst herumtasten. Wir haben eine nur eine Chance.“