Bis zu den Sternen und noch viel weiter. John McFall ist beinamputiert. Nach einem Motorradunfall verlor der 44-jährige Brite das rechte Bein und musste neu laufen lernen. In der Zeit nach seinem Unfall entdeckte er die Liebe fürs Laufen und Mountain Biking und gewann unter anderem bei den Paralympischen Spielen in Beijing die Bronzemedaille auf 100m. Jetzt möchte er noch höher hinaus. Als Teilnehmer der Machbarkeitsstudie „Fly!“, in der die Europäische Weltraumorganisation ESA erforscht hat, welche Einschränkungen körperliche Behinderungen für die astronautische Raumfahrt mit sich bringen, ist er nun auf dem besten Wege, der erste amputierte Astronaut zu werden.
Die Studie, die im Herbst 2022 auf der Ministerratstagung in Paris (Frankreich) angekündigt wurde, ist nun zum Ende gekommen. Sie wurde von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA sowie dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX unterstützt und hat nachgewiesen, dass es technisch möglich ist, jemanden mit einer körperlichen Behinderung wie der von John McFall auf einer sechsmonatigen Mission zur Internationalen Raumstation als voll integriertes Besatzungsmitglied zu fliegen. Für den Beweis durchlief John McFall alle Phasen eines Raumflugs, die körperlich gesunde Astronauten als Vorbereitung ebenfalls durchlaufen müssen. Sie untermauerte den Wunsch, dass die Erforschung des Weltraums nicht durch körperliche Einschränkungen begrenzt wird und dass jeder Einzelne zu unserem kollektiven Verständnis des Kosmos und der Vorteile der Raumfahrt für das Leben auf der Erde beitragen kann.
Fly! Mission Ready
Nach Beendigung der Machbarkeitsstudie steht die ESA nun vor weiteren Fragen, die vor einem möglichen Langzeitaufenthalt von John McFall beantwortet werden müssen. Dazu sagt Daniel Neuenschwander, ESA Director of Human and Robotic Exploration: „Im Vorfeld müssen wir einige Fragen klären. Dazu gehört auch, ob die Prothese für den Einsatz im Weltraum geeignet ist. Nicht nur John muss tauglich sein, sondern auch seine Prothese.“ Gemeinsam mit dem Prothesenhersteller Ottobock testet die Weltraum-Agentur nun die Belastbarkeit verschiedener Prothesentechnologien. Und wie jedes Tool, das zur ISS fliegt, müssen auch die Prothesen geprüft und zertifiziert werden, um die Sicherheit von Mensch und Maschine zu gewährleisten. Im Oktober dieses Jahres soll die erste Phase der Tests abgeschlossen sein. McFall sieht dabei eine Gemeinsamkeit zwischen Prothesenhersteller und ESA: beide Unternehmen hätten es sich auf die Fahnen geschrieben, das Leben der Menschen stetig zu verbessern. Denn am Ende geht es bei der Mission nicht nur darum, die Grenzen des Machbaren weiter in den Weltraum zu verschieben, sondern wie bei jeder Weltraum-Mission die Ergebnisse auf das Leben auf unserer Erde übertragen zu können.