Der GKV-Spitzenverband setzt in seinem neuen Positionspapier schon im Titel eindeutig Wirtschaftlichkeit vor Qualität, leitet Rehakind in seine Ausführungen ein. Für die Versorgung von behinderten Kindern und deren Entwicklung verheiße das nichts Gutes: „Erfolgreiche Versorgung gelingt nur unter entsprechenden Bedingungen, und aus allen Bereichen der Kinder-/Jugendmedizin kommen inzwischen Hilferufe, weil das System jetzt schon nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, geschweige denn mit noch mehr Sparzwang“, fürchtet Christiana Hennemann von Rehakind.
Enttäuschenderweise schlage der GKV-Spitzenverband die Rückkehr zu „veralteten“ Vergütungs- und Vertragsmodellen vor. Der Gesetzgeber hatte diese 2019 als „nicht zielführend“ abgeschafft. Die Gründe: Ausschreibungen, Openhouse-Verträge und Festpreise förderten statt Versorgungsqualität weitere Intransparenz. Nicht der beste Versorger, sondern der billigste Anbieter komme zum Zug. Individualität, Komplexität und wohnortnahe Versorgung seien damit nicht abgebildet.
Eine differenzierte Betrachtung der Gesamtsituation und Einbeziehung demografischer und politischer Entwicklungen fehle gänzlich, so RehaKind weiter: In finanziell angespannten Zeiten müsse von einem Spitzenverband erwartet werden, die Gründe für Kostensteigerungen gesamtheitlich zu analysieren anstatt nur dem Reflex nach mehr „Wettbewerb“ nachzugeben, der auf dem Rücken der Versicherten ausgetragen werde. „Es fällt kein einziges Wort über den Ukraine-Krieg, 1,2 Millionen Geflüchteten, die ebenfalls medizinisch versorgt werden müssen, werden nicht erwähnt. Nichts über die höchste Inflation seit 1974, kein Hinweis auf den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Kein Wort über den großen demographischen Wandel und die daraus resultieren Belastungen für das Gesundheitssystem. Die Rezession in Deutschland und die Auswirkungen der Pandemie bleiben unerwähnt, kein einziges Wort über die weiterhin positive Beschäftigungsquote und hohen Tarifabschlüsse, die den Krankenkassen hohe Einnahmen sichern.“
Nur 0,041% des Budgets entfielen auf die Hilfsmittelversorgung behinderter Kinder. Jungen Patienten die so wichtige Unterstützung und Förderung zu versagen oder über billige Standards nicht den individuellen Bedarf zu versorgen, heiße, alle gesetzlichen Absichten der gesamtheitlichen Betrachtung des Menschen nach ICF und dessen Anspruch auf Teilhabe zu ignorieren. An dieser Stellschraube zu drehen und Kinderversorgung mit dieser Art von Wirtschaftlichkeitsdenken und Sparmaßnahmen zu verbinden, findet Christiana Hennemann zynisch.
„Sparen an der Kinderreha verhindert die Entwicklung betroffener Kinder und Jugendlicher und produziert irreparable Folgeschäden für diese Patienten. Außerdem verstellt man den jungen Menschen die Möglichkeit, mit Hilfsmittelunterstützung ihre Skills als dringend benötigte Arbeitskräfte auszubilden und zu nutzen – Inklusion kann so nicht funktionieren. Der Umgang mit Menschen wird in diesem System nicht wertgeschätzt: schlechte Bezahlung, viel Druck und Verantwortung und wenig Zeit machen den medizinischen Arbeitsmarkt unattraktiv.“
Christiana Hennemann, Rehakind
Ein nicht genutztes, weil nicht akzeptiertes Hilfsmittel sei definitiv die unwirtschaftlichste Lösung. Dafür sei die gemeinsame Konzeptentwicklung, die Zielfindung im interdisziplinären Team, das Gespräch mit den jungen Patienten und ihren Familien besonders wichtig, um das „richtige“ Hilfsmittel“ zu finden. Aber: „Gespräche werden nicht bezahlt, dafür Apparatemedizin. Das fünfte MRT, welches die Ergebnisse der vorherigen bestätigt, wird problemlos finanziert.“
Die kompletten Ausführungen von Rehakind finden Sie hier.