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Außerklinische Beatmung

RehaVital-Mitglieder fürchten Lieferengpässe

RehaVital-Mitglieder fürchten Lieferengpässe Alexander Pohl (Foto: Häussler/RehaVital)

Mitgliedsunternehmen der RehaVital schlagen Alarm: Die kontinuierliche Versorgung außerklinischer, dauerhafter Beatmungspatienten sei gefährdet.

Seit Beginn der Corona-Pandemie kämpft die medizinische Hilfsmittelbranche mit Lieferengpässen besonders auch im Bereich der Beatmung, teilt die Leistungserbringergruppe RehaVital mit. Grund dafür sei die gestiegene Nachfrage nach Beatmungsgeräten und -zubehör zur Behandlung der Corona-Intensivpatienten. Damit sei inzwischen aber die kontinuierliche Versorgung der außerklinischen, dauerhaften Beatmungspatienten gefährdet.

Nach Hochrechnung verschiedener Krankenkassen werden bis zu 30.000 Beatmungspatienten in Deutschland außerklinisch betreut. Durch die Zunahme der Beatmungspatienten auf Intensivstationen durch COVID-19 komme es seit März dieses Jahres immer wieder zu Liefer-Unregelmäßigkeiten.

Bisher habe die Branche die Lieferengpässe einigermaßen kompensieren können. Jetzt aber schlagen mehrere Mitgliedsunternehmen der RehaVital Alarm. „Gerade im Bereich des Beatmungszubehörs berichten mir meine Einkäufer fast täglich von Lieferengpässen“, berichtet Alexander Pohl, Geschäftsführer der Häussler Medizin- und Rehatechnik GmbH in Ulm und RehaVital-Aufsichtsratsmitglied. „Auch von den weiteren Mitgliedern unserer regionalen Einkaufsgruppe wird mir dieser Eindruck gespiegelt.“

Außerklinische Beatmung: „500 Beatmungsschläuche fehlen“

Die Auswirkungen auf die Patientenversorgung seien unmittelbar spürbar. „Derzeit fehlen mir akut 500 Beatmungsschläuche, die ich für die monatlichen Wechselintervalle unserer Patienten benötige“, führt Pohl aus. „So können wir zurzeit nur auf Sicht fahren und unsere Patienten in Teillieferungen nach und nach versorgen.“

Ein nicht fristgerecht ausgeführter Wechsel des Beatmungsschlauchs habe zur Folge, dass Hygienestandards nicht mehr eingehalten werden könnten. Im schlimmsten Fall würde dies zu einer Infektion der Atemwege des Patienten führen. Die Einweisung auf eine Intensivstation wäre unausweichlich.

„Wir haben die Entwicklung der Corona-Pandemie im Blick und sehen auch absolut die Notwendigkeit weiterer Beatmungsgeräte und deren Zubehör im intensivmedizinischen Bereich“, konstatiert Jens Sellhorn, Geschäftsführer der RehaVital. „In unserer Verantwortung liegt es aber auch, die fachgerechte Versorgung unserer bestehenden, außerklinischen Beatmungspatienten zu gewährleisten.“ Sollte es derzeit Anweisungen geben, dass Kliniken in ihren Bedarfen bevorzugt beliefert werden, so dürften die Patienten im ambulanten Bereich trotzdem nicht vergessen werden.

„Uns geht es darum, die Politik für die Situation zu sensibilisieren und insgesamt auf diesen Missstand aufmerksam zu machen“, ergänzt Alexander Pohl. „Die Versorgung von schwer erkrankten Coronapatienten auf den Intensivstationen ist ohne Zweifel sehr wichtig. Uns liegt nur am Herzen, dass damit die bestehenden Beatmungspatienten in der jetzigen extremen Belastungssituation nicht durchs Raster fallen.“

Die RehaVital ist eine Gemeinschaft von über 110 Sanitätsfachgeschäften und Gesundheitsfachbetrieben. Ihre Mitglieder sind an über 600 Standorten in Deutschland vertreten.

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Tobias Kurtz / 20.11.2020 - 12:48 Uhr

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