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RehaVital: Patientenorientierung als Konzept der Zukunft

RehaVital: Patientenorientierung als Konzept der Zukunft

Die RehaVital-Gesellschafterversammlung setzte sich mit Versorgungskonzepten der Zukunft auseinander.

Wie entwickeln sich die politischen Rahmenbedingungen für die Gesundheitsbranche? Und was heißt das für die RehaVital-Mitglieder? Diese Fragen wurden bei der Gesellschafterversammlung der RehaVital Gesundheitsservice GmbH Anfang November in Hamburg diskutiert. Die Referenten Franz Müntefering, Franz Knieps und Prof. Volker Amelung beleuchteten das Thema aus ihrer jeweiligen Perspektive. Mehr als 150 Teilnehmer aus den Reihen der RehaVital-Mitglieder, Lieferanten und Gäste hatten sich versammelt, um sich mit den politischen Rahmenbedingungen der Gesundheitsbranche und den Herausforderungen der Zukunft zu beschäftigen.

In seiner Keynote-Rede umriss Franz Müntefering die Herausforderungen. Er schlug einen Bogen von demografischen Veränderungen und infrastrukturellen Herausforderungen über den Arbeitskräftemangel und die Berufschancen für junge Frauen und dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zur Daseinsvorsorge, der Attraktivität der Gesundheitsberufe und der Attraktivität von Regionen und Unternehmen. Um den Herausforderungen gewachsen zu sein, benötige unsere Gesellschaft ein Konzept für das Gesundheitswesen, das alle Beteiligten wie Regionen, Verbände, Handelskammern, Unternehmen etc. einbeziehe. Angesichts der demografischen Entwicklung reiche es nicht aus, abzuwarten, vielmehr müsse man heute agieren und bewusst gestalten. Die Leistungsfähigkeit der Gesundheitsbranche sei – so Müntefering – wesentlich für die Zukunft. Es gehe um die Menschen, und darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Lebensqualität und Humanität im Vordergrund stehen und die Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können.

Gesundheitssystem gleicht einem Mobile

Für Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, gehört das deutsche Gesundheitssystem zu den besten der Welt. Dennoch könne es verbessert werden. Auch er appellierte an die Zuhörer, frühzeitig zu agieren und nicht darauf zu warten, bis Veränderungen notwendig würden. Er verglich das deutsche Gesundheitssystem mit einem sehr großen Mobile – wenn man an einem Ende etwas bewege oder verändere, bewege oder verändere man das ganze Gebilde. Deshalb sei es unmöglich, das gesamte System zu verändern, die "große Lösung" gebe es nicht. Da es aber bereits tausende Modellprojekte, gute Ideen und hervorragende Konzepte gebe, gehe es darum, diese entsprechend zu adaptieren und zu transportieren. Das Gesundheitssystem der Zukunft müsse vom Leitbild der integrierten Versorgung geprägt sein, die Patientengerechtigkeit zum zentralen Kriterium werden. Er forderte, mehr qualitätsorientierten Wettbewerb in der Versorgung zu ermöglichen, und denen, die etwas verändern wollen, die Möglichkeit zu geben, zu handeln. Innovationen müssten auch finanziert werden. Dazu sei ein Innovationsfonds sinnvoll, denn es spreche nichts dagegen, bessere Qualität auch entsprechend zu bezahlen.

Für die Zukunft müsse das Leitbild des Systems sich ändern und Versorgung entlang der Versorgungskette organisiert werden. Das SGB V habe immer noch ein produktbezogenes Verständnis. Heute gehe es aber um Ergebnisorientierung, Prozesse, Versorgung und Dienstleistungen zu definierter Qualität. Und genau hier sieht er die Kompetenz und die Chancen der Branche; er forderte die Teilnehmer der Veranstaltung auf, gute Versorgungskonzepte mit zu entwickeln und so das zukünftige Gesundheitssystem zu prägen.

Patienten wollen versorgt, nicht "gemanagt" werden

Prof. Volker Amelung, Versorgungsforscher und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Managed Care, zeigte auf, dass es heute keinen Mangel an Erkenntnissen über die Schwachstellen unseres Gesundheitssystems gebe. Diese seien seit den 70er Jahren bekannt, daran habe sich grundsätzlich nichts geändert. Heute müssten wir uns aber – insbesondere angesichts der demografischen Veränderungen – die Frage stellen, wie komplexe Versorgungsstrukturen in einer alternden Gesellschaft aussehen müssen. Amelung vertrat die Auffassung, dass durch schlechte Versorgungsqualität die Kosten im Gesundheitswesen steigen. Die wirkliche Herausforderung der Zukunft liege in der Sicherstellung von flächendeckend guter Versorgung. Seine Empfehlung: Managed Care-Konzepte.

Wichtig sei, die Prozesse aus der Patientenperspektive zu gestalten. Wir benötigen, so Amelung, eine einheitliche Versorgungskette angesichts der immer komplexer werdenden Strukturen. Dabei sei es wichtig, den Wunsch der Menschen nach qualitätsgesicherter Versorgung mit einem kontinuierlichen Ansprechpartner zu betonen. In der Podiumsdiskussion wurden zwei patientenorientierte, qualitätsgesicherte, ganzheitliche Versorgungskonzepte der RehaVital vorgestellt. Das Ziel dieser Gruppen ist es, individuelle Angebote zu erarbeiten, die den Patienten durch eine optimale Hilfsmittelversorgung zum größtmöglichen Therapieerfolg verhelfen. Dabei sollen die RehaVital-Mitglieder die serviceorientierte Hilfsmittelversorgung nach bundesweit einheitlichen Versorgungskonzepten als Kernkompetenz einbringen.

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Tobias Kurtz / 25.11.2013 - 16:33 Uhr

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