Der Markt wächst, die Apotheke tut sich schwer, und Drogeriemärkte verzeichnen die höchsten Wachstumsraten. Dr. Susanne Eichholz-Klein, Mitglied der Geschäftsleitung beim IFH Köln, gab im Rahmen des GP-Sanitätshaus-Tages auf der Rehacare in Düsseldorf einen Einblick in die Entwicklung des Sanitätshaus-Markts.
Die Entwicklung kann sich sehen lassen: Von 2010 bis 2024 ist der Sanitätswarenmarkt (Definition unten) laut IFH-Analyse im Schnitt jährlich um 6,5 Prozent gewachsen. „Der Markt wächst über die Menge“, führte Susanne Eichholz-Klein aus und verwies auf den geringeren Anstieg der Verbraucherpreise. Dabei werde der Teilmarkt Sanitätswarenhandel für die Unternehmen immer wichtiger, während Care und Orthopädieschuhtechnik an Marktanteil verlieren.
Mit einem Marktanteil von fast 50 Prozent bleibt der Sanitätsfachhandel der dominante Vertriebskanal. Die stärksten Wachstumsraten seit 2019 – allerdings auf kleinem Niveau – verzeichnen die Drogeriemärkte (+11,9%) sowie der Internet- und Versandhandel (+12,7%). „Die Apotheke tut sich eher schwer“, so Eichholz-Klein.
Mit Blick auf die Preisentwicklung stellte die Marktexpertin allerdings fest, dass der Einzelhandel mit medizinisch-orthopädischen Artikeln seit 2019 eine „reale Umsatzlücke“ aufweise.
Entwicklung Onlinehandel und -angebote
Das Onlinegeschäft spielt im sanitätshausrelevanten Hilfsmittelmarkt (B2C) bisher keine wichtige Rolle. Sein Anteil am Gesamtumsatz beträgt aktuell rund 4,8% – deutlich weniger als in vielen anderen Branchen. Zum Vergleich: Im Nonfood-Einzelhandel beträgt der Online-Anteil am Gesamtumsatz bereits 18,8 Prozent. Dabei vereint der stationäre Handel 29% des Onlinevolumens auf sich.
Doch das Potenzial scheint da: Online-Bestellungen von Medikamenten und Gesundheitsprodukten sind durchaus üblich. 47 Prozent der befragten Konsumenten kaufen gelegentlich, weitere 28 Prozent regelmäßig Paracetamol, Badezusätze und Co. im Internet ein. Die Kunden bevorzugen klassische Versandapotheken, aber auch Amazon und lokale Anbieter spielen eine Rolle. Klassische Online-Apotheken punkten bei ihnen vor allem mit Vertrauen, Beratung und Qualität – Amazon überzeugt vor allem durch Preis, Produktauswahl und Liefergeschwindigkeit.
38 Prozent der Umfrageteilnehmer geben zudem an, auch schon Sanitätswaren online gekauft zu haben. Dabei dominiert Amazon den Markt. In der Informationsphase spielen auch andere Marktplätze eine Rolle.
Sieben von zehn Verbrauchern nutzen digitale Gesundheitsangebote. E-Rezepte, Gesundheitsplattformen und Wearables liegen vorne, während Telemedizin und Online-Coachings weniger gefragt sind. Dabei stehen die Themen Prävention, Fitness und Ernährung im Fokus. Bei chronischen Erkrankungen oder bei Reha und Nachsorge – wenn es ernst wird, könnte man sagen – greifen die Menschen dagegen deutlich seltener auf digitale Gesundheitsangebote zurück. Dann ist der Arzt bzw. Fachberater immer noch die erste Anlaufstelle.
Entsprechend gespalten stehen die Konsumenten auch KI-Chatbots gegenüber. Sie liefern vor allem Orientierung bei ersten Symptomen, Medikamenten und Alltagstipps. Rund ein Drittel lehnt die Nutzung von KI-Chatbots bei gesundheitlichen Themen aktuell ab.