Was ist die Mysportsbox genau und für wen ist sie gedacht?
David Wucherpfennig: Im Kern ist die Mysportsbox ein Mietmodell für Sportprothesen. Es handelt sich um ein neues Konzept in der Orthopädietechnikbranche, das sich an Sharing-Modelle wie Carsharing oder Mietkinderwagen orientiert. Durch dieses Mietmodell erhalten Betroffene die Möglichkeit, eine speziell auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmte Sportprothese bereits ab 99 Euro monatlich zu nutzen. Aktuell richtet sich das Angebot an Menschen mit Beinamputationen oder -dysmelien. Damit soll Betroffenen der Zugang zum Sport erleichtert werden und so für mehr Mobilität, Selbstbestimmung und Lebensqualität sorgen.
Wie funktioniert der Mietprozess?
Wucherpfennig: Der Mietprozess ist so gestaltet, dass Interessierte in nur wenigen Schritten eine individuell angepasste Sportprothese bestellen können. Voraussetzung für die Mysportsbox ist ein Quickchange-Adapter an ihrem Schaft. Dieser ermöglicht es, problemlos selbstständig zwischen einer Alltagsprothese und einer Sportprothese zu wechseln. Falls dieser Adapter bereits vorhanden ist, kann die Bestellung direkt erfolgen. Andernfalls ist eine Beratung durch einen Orthopädietechniker erforderlich, um die Kompatibilität sicherzustellen. Über den Ottobock-Konfigurator wählen Interessierte gemeinsam mit ihrem Techniker die passenden Passteile für ihre Sportprothese aus und geben die Bestellung auf. Nach Eingang der Bestellung ist die Sportprothese in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen verfügbar. Die Mysportsbox wird anschließend direkt an die betreuende orthopädische Fachkraft geschickt, die die letzten Anpassungen vornimmt und die Anwender beim Einstieg in die Nutzung der Sportprothese begleitet.
Welche Sportarten werden mit dem Modell abgedeckt?
Wucherpfennig: Mit der Mysportsbox können verschiedene Sportarten ausgeübt werden. Darunter zum Beispiel Leichtathletik-Disziplinen wie Sprint und Weitsprung. Gleichzeitig ist sie aber auch für den Freizeit- und Breitensport geeignet, so dass Sportarten wie Basketball, Handball oder Joggen problemlos ausgeübt werden können.
Welche Hürden gibt es für Betroffene beim Zugang zu Sportprothesen, und wie adressiert Ottobock diese?
Wucherpfennig: Eine der größten Hürden für Betroffene beim Zugang zu Sportprothesen sind die hohen Kosten. Während Sportprothesen in den meisten Fällen für Kinder übernommen werden, sofern sie für den Schulsport benötigt werden, entfällt diese finanzielle Unterstützung für Erwachsene weitestgehend. Ab dem 18. Lebensjahr müssen Betroffene die Kosten in den meisten Fällen selbst tragen, was für viele eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt. Hier setzt die Mysportsbox an, um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken. Durch das Mietmodell wird die finanzielle Hürde gesenkt, indem Betroffene eine individuell angepasste Sportprothese monatlich mieten können, anstatt hohe einmalige Anschaffungskosten stemmen zu müssen. Dadurch erhalten auch Erwachsene die Möglichkeit, sportlich aktiv zu werden.
Welche Rückmeldungen haben Sie bisher zur Mysportsbox erhalten?
Wucherpfennig: Die bisherigen Rückmeldungen bestätigen, dass die Mysportsbox ein dringendes Problem adressiert. Sowohl Betroffene als auch Sanitätshäuser zeigen großes Interesse an dem Mietmodell und erkennen darin einen bedeutenden Mehrwert. Besonders von den Anwenderinnen und Anwendern erhalten wir immer wieder die Rückmeldung, dass sie es sehr schätzen, dass Ottobock sich dieser Herausforderung annimmt und Lösungen entwickelt, um ihnen den Zugang zu Sportprothesen zu erleichtern. Neben der durchweg positiven Resonanz haben wir auch konstruktive Rückmeldungen erhalten, die uns wertvolle Hinweise geben. Diese Anregungen helfen uns, das Konzept kontinuierlich weiterzuentwickeln und noch gezielter auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer einzugehen.
Hat das Modell auch international Potenzial?
Wucherpfennig: Auf jeden Fall. Wir arbeiten gerade daran, Mysportsbox auch international anzubieten zu können.
Gibt es Pläne, das Angebot weiter auszubauen?
Wucherpfennig: Ja. Wir prüfen derzeit, für welche weiteren Sportprodukte wir ein ähnliches Mietmodell anbieten können. Hier gibt es noch viel Potenzial, das wir weiter ausschöpfen wollen.