Vor dem Hintergrund des im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Gesetzes zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen sowie insbesondere der aus Brüssel stammenden Compliance-Vorgaben sei eine Überarbeitung des zuletzt im Jahre 2009 aktualisierten Spectaris-Code of Conduct erforderlich geworden, teilt der Verband mit.
Empfehlungscharakter
Ende 2016 hat der europäische Medizintechnikverband MedTech Europe (MTE) einen neuen Compliance-Kodex, den MTE-Code of Ethical Business Practice, vorgelegt, der den Charakter einer freiwilligen Selbstverpflichtung hat. Der Spectaris-Fachverband Medizintechnik hat die konsensfähigen Vorgaben aus dem MTE-Code 1:1 adaptiert, ins Deutsche übersetzt und zu Empfehlungen umformuliert. Im Gegensatz zum MTE-Code verzichtet der Spectaris-Code mit seinen Empfehlungen zur Zusammenarbeit in der Gesundheitswirtschaft allerdings bewusst auf einen Durchsetzungs- und Sanktionsmechanismus. Vielmehr handelt es sich beim ausdrücklich nur um Empfehlungen.
Marcus Kuhlmann, Leiter des Fachverbandes Medizintechnik bei Spectaris, erklärte: "Der Code kann gleichgesetzt werden mit (rechtsunverbindlichen) Normen im Sinne von allgemein anerkannten Regeln. Solange sich die Unternehmen an diese Normen – Kodices – halten, können sie relativ sicher davon ausgehen, dass sie sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegen. Der Code dient im Wesentlichen der Konkretisierung der in der Regel doch sehr allgemein gehaltenen gesetzlichen Vorgaben."
Aus Sicht von Spectaris besteht eine besondere Beziehung zwischen Industrie und medizinischen Fachkräften, die ein geschäftsethisches Verhalten erforderlich macht. Für das Image der Branche ist es aus Sicht von Spectaris von großer Bedeutung, dass sich die MedTech-Industrie auf allgemeine, einheitliche und international anerkannte Compliance-Regeln verständigt.
Die fünf Grundprinzipien des Codes
- 1. Prinzip "Außenwahrnehmung/Darstellung in der Wahrnehmung anderer": Auf die Buchung von Luxushotels oder luxuriöse Abendessen sollte verzichtet werden.
- 2. Prinzip "Transparenz": Benachrichtigung des Arbeitgebers bzw. der zuständigen Stelle, Listung von Studien in Registern.
- 3. Prinzip "Äquivalenz": Honorare/Zuwendungen müssen sich stets am üblichen Marktwert orientieren.
- 4. Prinzip "Trennung": Zuwendungen dürfen nicht im Zusammenhang mit Beschaffungsentscheidungen stehen.
- 5. Prinzip "Dokumentation": Vertragsabschluss und Dokumentation der Ausgaben müssen schriftlich niedergelegt werden.
Der neue Spectaris-Code of Conduct empfiehlt zudem, auf die direkte Kostenübernahme (Direct Sponsorship) für Teilnehmer externer Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen zu verzichten, auch wenn dies momentan rechtlich in Deutschland noch möglich sei. "Dennoch müssen Mitglieder gemeinsam mit Spectaris die jeweils aktuelle Rechtsprechung und die Auslegung der Gesetze im Auge behalten. Ein Code of Conduct wie die Spectaris-Empfehlungen zur Zusammenarbeit in der Gesundheitswirtschaft kann immer nur eine Orientierung bieten. Recht gesprochen wird in den Gerichten. Die Einhaltung der Regeln des Codes dokumentiert aber, in bester Absicht zu handeln und sich an die Compliance-Regeln halten zu wollen. Um seine Mitglieder auf dem aktuellen Stand zu halten, bietet Spectaris regelmäßig Workshops, Seminare und Arbeitsgruppen an", erläutert Marcus Kuhlmann.
Der Code of Conduct "Empfehlungen zur Zusammenarbeit in der Gesundheitswirtschaft" gilt ab dem 1. Januar 2018 und kann zusammen mit einer Kurzinformation auf der Spectaris-Webseite heruntergeladen werden.