logo

„Viel zu selten als Wirtschaftsmotor angesehen“

Spectaris präsentiert Positionspapier zum Wahljahr 2021

Spectaris präsentiert Positionspapier zum Wahljahr 2021 Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender Medizintechnik bei Spectaris. (Foto: Spectaris)

Der Industrieverband Spectaris präsentiert sein Positionspapier zum Wahljahr 2021. Er fordert bessere Rahmenbedingungen.

Die Medizintechnik im deutschen Industrieverband Spectaris hat in einem gesundheits- und wirtschaftspolitischen Positionspapier ihre zentralen Forderungen anlässlich des Wahljahrs 2021 konkretisiert. „Die Medizintechnikindustrie muss als eine wesentliche systemrelevante und in Abgrenzung zur Pharmaindustrie eigenständige Säule der industriellen Gesundheitswirtschaft behandelt werden“, betont Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik bei Spectaris. „Noch immer wird unsere in Europa führende Medizintechnikindustrie vorwiegend als Kostenfaktor und viel zu selten als Wirtschaftsmotor angesehen, was sich in übermäßig scharfen Rahmenbedingungen niederschlägt. Die Patientensicherheit, die Versicherten und die Effizienzgewinne für das Gesundheitswesen durch moderne Medizinprodukte und -technik bleiben dabei zu oft unberücksichtigt und behindern nicht zuletzt Innovationen.“

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Regulierungen und der laut Verband daraus immer häufiger folgenden Verlagerung von Forschung und Entwicklung ins Nicht-EU-Ausland benötige die Industrie stärker forschungsfreundliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen, die sich am Patienten orientieren und nicht wettbewerbsverzerrend wirken. „Regulierung, die nicht hinreichend zusätzliche Patientensicherheit bringt, muss reduziert werden. Andernfalls wird der Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland geschwächt und die Existenz vieler innovativer und mittelständischer Unternehmen in Frage gestellt“, erklärt Leonhard.

Spectaris fordert bessere Krankenhausfinanzierung

Hinzu komme, dass Medizinprodukte in Deutschland systembedingt oft deutlich niedrigere Erstattungs- und Marktpreise als in anderen Staaten der Welt mit ähnlich leistungsfähigen Gesundheitssystemen aufwiesen. Es fehle damit an Anreizen, in Deutschland zu produzieren, zu entwickeln und zu forschen sowie Innovationen zuerst in den deutschen Markt einzuführen.
Das deutsche Gesundheitssystem sei durch Kosteneinsparungen und einen jahrzehntelangen Investitionsstau im stationären Bereich gekennzeichnet. „Wenn wir weiterhin eines der besten Gesundheitssysteme der Welt haben möchten, ist hier ein Umdenken erforderlich, um einen gesunden Mittelweg zwischen Kostendämpfung einerseits und einer bestmöglichen Versorgung und Ausstattung mit Medizinprodukten andererseits zu finden“, betont Leonhard. „Die moderne Medizintechnik trägt seit vielen Jahrzehnten maßgeblich dazu bei, dass sich die Lebenserwartung und der allgemeine Gesundheitsstand der Menschen deutlich verbessern. Damit diese Entwicklung nicht abbricht, muss vor allem die Krankenhausfinanzierung wieder auf eine solide Basis gestellt werden

Die derzeitige Pandemie rücke auch den digitalen Transformationsprozesses in den Fokus. Spectaris sieht die nötigen Stellschrauben vor allem im Umgang mit dem Datenschutz: „Um Datenschutz und Datensicherheit in einem flächendeckend vernetzten Versorgungssystem zu gewährleisten und gleichzeitig innovative Prozesse nicht zu behindern, sollte Datenschutz weniger als ,Wegschließen der Daten‘ und mehr als ,Schutz der Personenrechte‘ verstanden werden“, so Leonhard abschließend.

Eine Kurzfassung des Positionspapiers finden Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

  • Spectaris warnt vor nationalem Alleingang
  • Spectaris-Mitglieder wählen Vorstand Medizintechnik
  • GKV erzielt Überschuss im ersten Halbjahr
Tobias Kurtz / 23.12.2020 - 09:41 Uhr

© Sternefeld Medien GmbH