"Es ist zu begrüßen, dass mit der heutigen Strategiekonferenz, der bereits vor zwei Jahren eingeleitete Dialog zur Identifizierung von Innovationshürden in der Medizintechnik wieder Fahrt aufnimmt", so Marcus Kuhlmann, Leiter des Fachverbandes Medizintechnik bei Spectaris. Im Rahmen des Nationalen Strategieprozesses hatten sich das Forschungsministerium, das Gesundheitsministerium sowie das Wirtschaftsministerium in einer Expertengruppe mit der Industrie und Wissenschaft zusammen getan. Ende 2012 wurde der Ergebnisbericht vorgelegt.
Für die bei Spectaris organisierten Unternehmen haben sich im Wesentlichen zwei Herausforderungen herauskristallisiert, teilt der Verband mit: Zum einen könne die Finanzierung von Studien und der Nachweis des Nutzens von medizinischen Produkten von den meist mittelständischen Herstellern oftmals nicht geleistet werden, da die Hersteller in der Regel weder den zu leistenden Aufwand noch das Ergebnis des Verfahrens verlässlich einschätzen könnten. Spectaris schlägt daher vor, die Finanzierung der Studien als Anschubfinanzierung in den nächsten Jahren über den Gesundheitsfonds der GKV zu bezahlen und dafür ein Prozent der Mittel des Gesundheitsfonds vorzuhalten. Zum anderen stelle die Beschränkung auf den reinen medizinischen Patientennutzen ein großes Problem dar, wenn ein neues Medizinprodukt im Rahmen einer neue Untersuchungs- oder Behandlungsmethode bewertet wird. "Unserer Auffassung nach müssen neben dem bisher schon berücksichtigten unmittelbaren medizinischen Patientennutzen auch andere Nutzendimensionen in Entscheidungen über die Erstattung von Medizinprodukten bzw. Methoden einfließen, wie z.B. das finanzielle Einsparpotenzial, welches ein neues Verfahren bieten kann", meint Kuhlmann. Spectaris schlägt daher vor, gesetzlich zu verankern, dass diese indirekten Nutzenelemente bei Entscheidungen berücksichtigt werden müssen, solange der direkte Patientennutzen mit anderen Verfahren gleichwertig ist.
Spectaris: Transparenz verbessern
"Darüber hinaus könnten Innovationen in der Medizintechnik auch dadurch gefördert werden, dass sich die Transparenz und Verbindlichkeit von Entscheidungen zur Erstattung verbessern. Hierzu schlagen wir eine zentrale Beratungsstelle für die Industrie ebenso vor wie die Schaffung einer eigenen Antragsmöglichkeit für die Hersteller mit festen Fristen für die Laufzeit von Verfahren sowie die Aufwertung von Entscheidungen zu Verwaltungsakten, so dass diese gerichtlich angefochten werden können", so Kuhlmann weiter.