Die Corona-Pandemie hat den Menschen in Deutschland die Dringlichkeit einer umfassenden Digitalisierung des Gesundheitswesens vor Augen geführt. Fast acht von zehn Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern ist durch die Ereignisse der vergangenen 18 Monate nach eigenem Bekunden die Bedeutung der Digitalisierung des Gesundheitswesens klar geworden. Zugleich sagen drei Viertel, mit digitalen Technologien ließen sich solche Krisen besser bewältigen – das ist eine Steigerung um mehr als 20 Prozentpunkte verglichen mit 2020, als 53 Prozent dieser Aussage zustimmten. 71 Prozent fordern mehr Tempo beim Ausbau digitaler Angebote in der Medizin (2020: 65 Prozent). Das sind Ergebnisse zweier repräsentativer Befragungen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
Am 1. Juli ist das E-Rezept offiziell an den Start gegangen – allerdings lediglich in ersten Pilotversuchen. Das Interesse ist groß, teilt der Digitalverband mit: 59 Prozent der Deutschen wollen das E-Rezept nutzen, aber 39 Prozent wollen dies nicht. Die Hälfte derer, die das E-Rezept nutzen wollen, erhoffen sich davon vor allem eine automatische Erkennung von Wechselwirkungen (51 Prozent), 44 Prozent wollen damit Zettelwirtschaft vermeiden und 30 Prozent aus dieser Gruppe setzen auf digitale Medikationspläne. Ein Viertel möchte sich automatisch an die Medikamenten-Einnahme erinnern lassen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder stellt fest: „Die aktuell verfügbare E-Rezept-App der Gematik bietet die von den Menschen gewünschten Funktionen nicht. Es sollten Schnittstellen verfügbar gemacht werden, damit Drittanbieter E-Rezept-Apps mit zusätzlichen Funktionen auf den Markt bringen können.“
Digitale Medizin: Zwei Drittel wollen ePA nutzen
Seit dem 1. Januar 2021 bieten die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten die elektronische Patientenakte (ePa) an. Zwei Drittel wollen sie künftig gern nutzen, aktuell haben sie allerdings erst 0,2 Prozent der Befragten in Gebrauch (Stand: Mai 2021). Ein Fünftel (21 Prozent) hat daran allerdings kein Interesse – und ein Zehntel (10 Prozent) gibt an, sich bislang noch nicht mit der ePa befasst zu haben.
Wer an der ePa interessiert ist, sieht als Vorteil vor allem, dass andere Ärzte Diagnosen, Befunde oder Arztbriefe einsehen können (74 Prozent). 71 Prozent wollen per ePa selbst alle Infos über die eigene Krankengeschichte im Blick haben und 64 Prozent finden vorteilhaft, dass Doppeluntersuchungen durch die digitale Dokumentation in der ePa vermieden werden. Diejenigen, die die ePa nicht nutzen wollen, haben vor allem Bedenken, dass ihre Daten nicht sicher sind (56 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) sorgt sich um Eingabefehler und einem Drittel (31 Prozent) erscheint die Beantragung zu aufwendig.
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder: „Ärztinnen und Ärzte sollten jetzt aktiv auf die Vorteile der ePa hinweisen. Neben der technischen Ausstattung braucht es dafür ein digitales Mindset: Offenheit gegenüber der Digitalisierung und die Bereitschaft, die neuen technischen Möglichkeiten aktiv zu nutzen.“