Im April fand die lymphologische Netzwerkveranstaltung „Medi Synergie“ zum sechsten Mal im historischen Kurhaus in Baden-Baden statt. Das Besondere: Im Rahmen des interprofessionellen und interdisziplinären Austausches konnten die Lymphnetzwerk-Partner Arzt – Fachhändler – Therapeuten gemeinsam teilnehmen. Namhafte Referenten boten Vorträge sowie praxisorientierte Workshops an. Anregende Diskussionen und Veranstaltungen zu fachübergreifenden Themen, wie Recht und Gesundheitspolitik, rundeten das Programm ab.
Die 280 Teilnehmer der diesjährigen Veranstaltung kamen unter dem Motto „Zukunft gemeinsam gestalten – Qualitätsnetze in der Lymphologie“ zusammen. Bereits zu Beginn wurde das Ziel der Veranstaltung deutlich: Von dem „Blick über den Tellerrand“ des isolierten eigenen Wirkens und der Vernetzung mit den beteiligten Therapiepartnern kann die medizinische und therapeutische Versorgung von Lymph-Patienten effektiv profitieren.
In einer Vielzahl von fachspezifischen Vorträgen, die auf Fachhandel, Mediziner und Therapeuten ausgelegt waren, konnten sich die Teilnehmer über verschiedene Aspekte und die vielen Bausteine der lymphologischen Versorgung informieren. Experten sprachen über aktuelle und relevante Themen und Ansätze im Bereich lymphologischer Erkrankungen und deren Behandlung.
Dr. med. Franz Bien (Facharzt für Chirurgie und Phlebologie, Bietigheim-Bissingen) diskutierte in seinem Vortrag die Auswirkungen des Chemnitzer Urteils (Sozialgericht Chemnitz, S 10 KR 189/10): Darin war die Krankenkasse zur Kostenübernahme einer Liposuktion verurteilt worden. Diese Operationsmethode wird oft von den Kostenträgern noch als „kosmetische Chirurgie“ – und somit nicht erstattungsfähig – eingestuft. Mittlerweile hat sich die Liposuktion beim Lipödem neben der Kompression unter Beachtung bestimmter Voraussetzungen als anerkannte Therapie etabliert. Das Krankheitsbild ist erst seit einigen Jahren als solches definiert und erkannt. Hier gilt es weiterhin, intensive Aufklärungsarbeit zu leisten, da die Kostenübernahme im ambulanten und stationären Bereich völlig unterschiedlich geregelt ist.
Weitere Vorträge thematisierten beispielsweise „Prävalenz und Inzidenz des Stemmer’schen Zeichens in Deutschland“ (Prof. Dr. med. Eberhard Rabe), „Risikofaktoren für Erysipele beim Lymphödem“ (Prim. Dr. Walter Döller, Wolfsburg), „Die venöse Insuffizienz und ihre Komplikationen“ (Dr. med. Friedericke Ganßauge, Düsseldorf) und „Die Marnitz Therapie“ (Johanna Blumenschein, Berlin). Sie beruht auf einer Kombination aus Tiefenmassage, Manualtherapie und einem Übungsprogramm.
Vernetzung fördert die ganzheitliche Betrachtung
Das Programm wurde durch fachübergreifende Vorträge zu aktuellen Themen aus den Gebieten Recht, Gesundheitspolitik und alternativen Heilmethoden ergänzt. Im Rahmen dessen sprach Prof. Dr. Volker Großkopf, Rechtsanwalt und Herausgeber der „Rechtsdepesche“, über das Thema „Patientengesetz – kleine Fehler, teure Folgen“. Rechtsanwalt Peter Hartmann warf im Plenum die Frage auf: „Netzwerke, Entlassungs- und Versorgungsmanagement – Umsatzsicherung für morgen?“ Der Trend zur vernetzten Therapiekette und deren Erfolge – wie in der Lymphnetzwerk-Arbeit – wird auch vom Gesetzgeber gesehen und zunehmend eingefordert werden.
Beate Schwendler (Fachärztin für Chirurgie, Gotha) sprach sich für die ganzheitliche Behandlung der Patienten aus. Dazu gehören auch alternative Heilmethoden, wie die chinesische Medizin und Homöopathie. Sie führte Beispiele aus ihrem Praxisalltag an, wie diese Therapieansätze kombiniert werden können.
Im Rahmen von Workshops wurden die Teilnehmer aktiv und konnten das Gehörte in die Tat umsetzen. In kleinen Gruppen fokussierte man sich auf Kernthemen, wie Wundheilung, Versorgung von Zehen-Lymphödemen, Lymphtaping oder zielgerichtete Kommunikations-Maßnahmen. Die Veranstaltung rückte auch das Thema „Bewegung als Teil der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie“ in den Fokus. Als Highlight erwies sich bei vielen Teilnehmerinnen das Yoga-Training mit dem Schauspieler Ralf Bauer.
Neben dem breitgefächerten Angebot an Vorträgen und Workshops bestand immer die Möglichkeit zu persönlichen und fachlichen Gesprächen und damit zum Ausbau des eigenen Netzwerkes.
Fazit
Vernetztes und fachübergreifendes Denken und Handeln fördert die ganzheitliche Betrachtung eines Krankheitsbildes und kann zu optimalen, effektiven und wirtschaftlichen Behandlungserfolgen führen. Dafür bietet Medi Synergie eine wichtige jährliche Plattform. Medi freute sich auch über ein sehr gutes Feedback der Teilnehmer bezüglich Themenauswahl und Organisation. Nach eigenem Bekunden nehmen die Besucher eine hohe Motivation zum Ausbau ihrer Netzwerke aus der Veranstaltung mit.