Schuhproduktionsstätten sind in Deutschland eine Besonderheit geworden. Selten hat man hierzulande Gelegenheit, Näherinnen über die Schulter zu schauen und den Rundläufer aus nächster Nähe zu beobachten. Im Florett-Werk in Cham ist das möglich. Hier stehen zwei Stanzen und ein Schneidetisch, zwei Rundläufer mit 24 bzw. 18 Stationen, Näh- und Strobelmaschinen. Die ausschließlich aus Europa bezogenen Materialien, darunter spezielle gepolsterte Gewebe und Gewirke, Stretch-Materialien und auch Leder, werden im Einschichtbetrieb zu Schuhen verarbeitet. Einige der Spezialistinnen, die hier Hand anlegen, sind schon seit über 40 Jahren im Unternehmen tätig. Vom Zuschnitt der Schaftteile bis zur Endkontrolle und Verpackung finden alle Arbeitsschritte in der Produktionshalle statt. In rostroten Kisten werden Schaftteile und Komponenten von Arbeitsschritt zu Arbeitsschritt transportiert. Was auf den Außenstehenden unstrukturiert wirkt, basiert auf einem ausgeklügelten System, bei dem jedes Element sitzt.
Nische Medizinprodukte
Wer medizinische Schuhe benötigt, hat oft einen langen Leidensweg hinter sich. Schlecht heilende Wunden, Ödeme und Fehlstellungen verursachen Schmerzen. Dafür sind die Unisex-Spezialschuhe von Varomed aus weichem, gepolstertem und auch dehnbarem Material gefertigt. Innen gibt es keine Nähte, die drücken oder reiben könnten. Häufig sind Menschen mit solchen Problemen schon älter; nicht selten kommen Einschränkungen des Bewegungsapparates hinzu. Auch Menschen mit Spastiken gehören zu den Kunden von Varomed. Darum sind die Schuhe mit großen Klettverschlüssen versehen, lassen sich weit öffnen, einfach anziehen und flexibel anpassen. Die Einlegesohle kann durch eine individuelle Variante ersetzt werden. Die Sohle ist orthopädisch zurichtbar und soll für einen möglichst festen Stand sorgen. Jenseits des medizinischen Angebotes setzt Florett mit Straßen- und Hausschuhen auf ein Komfortkonzept mit modischer Inspiration. Pantoletten, Sandalen und Halbschuhe werden in frischen Farben und mit femininen Prints angeboten. Bei der Kalkulation geht Florett eigene Wege. „Wir kalkulieren jeden Schuh individuell“, erklärt Sarah Schubert. Eckpreislagen spielten dabei keine Rolle: „Ein Schuh kostet, was er kostet.“ Luft nach oben sei dabei nicht; auch für den Schuhhersteller steigen die Kosten, von der Energie über die Materialien bis hin zu den Löhnen. Dafür bekomme der Kunde ein Produkt made in Germany bzw. Europe in bestmöglicher Qualität und mit CE-Kennzeichnung. Unterstützt wird der Handel durch Schulungen und Werbekostenzuschüsse. Aufsteller und Werbepakete werden ebenfalls bereitgestellt. Und bei Bedarf fertigt Florett auch Private-Label-Schuhe.