Mit deutlichen Worten wendet sich der Verband Versorgungqualität Homecare e.V. (VVHC e.V.) gegen Überlegungen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Hilfsmittelausschreibungen wieder einzuführen. Aus Sicht des VVHC würde dies zu einer erneuten Verschlechterung der Versorgung führen – sowohl für Patienten als auch für die Leistungserbringer im Hilfsmittelbereich.
„Ausschreibungen sind und bleiben keine Option, da sie zu einer Verschlechterung der Patienten-Versorgung mit Hilfsmitteln geführt haben und zu Recht abgeschafft wurden“, so VVHC-Geschäftsführer Norbert Bertram. Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten seien Ausschreibungen nicht tragfähig. „Außerdem haben Ausschreibungen in der Vergangenheit keine nachhaltigen Ausgabenreduktionen bewirkt.“
Der VVHC verweist darauf, dass die von Kassenfunktionären ins Feld geführten Spareffekte auf theoretischen Modellrechnungen beruhen, die empirisch nicht belegt sind. Die Berechnungen des GKV-Spitzenverbands seien widersprüchlich: Zwar würden Ausschreibungen als wesentliches Steuerungsinstrument dargestellt – gleichzeitig werde eingeräumt, dass eine seriöse Berechnung realer Einsparungen nicht möglich sei.
Negative Effekte auf Versorgung, Qualität und Wahlfreiheit
Die Bilanz der vergangenen Ausschreibungsjahre fällt aus Sicht des VVHC eindeutig aus: Keine Spareffekte, dafür aber gravierende Qualitätseinbußen durch das Billigstbieterprinzip, regionale Versorgungslücken und eine eingeschränkte Wahlfreiheit für Versicherte. Besonders kritisch sei die Situation für multimorbide Patienten gewesen. Versorgungsmodelle „aus einer Hand“ seien unter Ausschreibungsbedingungen nicht umsetzbar gewesen, was häufig zu Therapie- und Versorgungsverzögerungen geführt habe.
Dass der Gesetzgeber 2019 die Hilfsmittelausschreibungen abgeschafft hat, war aus Sicht des VVHC folgerichtig – und müsse auch in Zukunft Bestand haben. Die aktuellen Ausgabensteigerungen im Hilfsmittelsektor seien nicht auf Preisentwicklungen zurückzuführen, sondern vor allem auf demografische Veränderungen, medizinischen Fortschritt und einen gestiegenen Versorgungsbedarf bei chronischen Erkrankungen.
Zudem betont der VVHC, dass Hilfsmittelverträge keine automatische jährliche Preisangleichung enthalten. „Durch diese Kontinuität der Verträge im Hilfsmittelbereich gab es grundsätzlich seit Jahren so gut wie keine Preisanpassungen. Allein die fehlende Anpassung an die allgemeine Preis- und Grundlohnentwicklung führt dazu, dass Nachlässe für die GKV im zweistelligen Prozentbereich entstehen“, so Bertram.
Die Homecare-Branche sei ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Deutschland und trage wesentlich zur Koordination komplexer Therapien bei. Der VVHC fordert daher: Stärkung der Hilfsmittelversorgung, Einführung eines ambulanten interprofessionellen Therapiemanagements für komplexe medizinische Produkte sowie Abbau bürokratischer Hürden durch vereinfachte Abrechnungsprozesse mit den Krankenkassen.