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Verbandmittel

VVHC kritisiert Barmer

Erstattung Verbandmittel: Hat die Barmer eine unabgestimmte, einseitige Preisfestsetzung vorgenommen, die einem Open-House-Vertrag gleicht? Der Verband Versorgungsqualität Homecare VVHC übt Kritik.

Zum Hintergrund: Die Barmer hat am 12. Dezember 2018 betroffene Leistungserbringer darüber informiert, dass sie für Verbandmittel ab dem 1. Februar 2019 „… als Höchstgrenze für den Abrechnungsbetrag je Produkt den zum Zeitpunkt der Lieferung jeweils gültigen Apothekeneinkaufspreis (AEP) ohne Zuschlag“ bezahlen werde.

Damit habe die Barmer eine unabgestimmte, einseitige Preisfestsetzung vorgenommen, so der VVHC in einer Mitteilung. Dieser Weg könne dem Vorgehen bei einem Open-House-Vertrag gleichgestellt werden. Die Argumentation, man müsse § 12 SGB V – und somit das Wirtschaftlichkeitsgebot – stringent durch eine reine Reduzierung des Erstattungspreises umsetzen, greift hier aus Sicht des VVHC aus mehreren Gründen nicht. Lediglich ein isolierter niedrigerer Erstattungspreis bedeute nicht gleichzeitig Wirtschaftlichkeit. Des Weiteren müsse bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit die individuelle Versorgungssituation der betroffenen Patienten berücksichtigt werden. Abschließend sei auch der Wert der Versorgung zu prüfen. Sich lediglich auf einzelne niedrigere Abrechnungspreise einer weniger Anbieter zu berufen, reiche nicht aus. Immer wieder würden Unternehmen gezielt Angebote an Krankenkassen abgeben mit dem ausschließlichen Ziel, Patienten zu gewinnen. Das habe nichts mit einer qualitativ hochwertigen und flächendeckenden Versorgung zu tun.

„Wir bedauern diese einseitige Vorgehensweise der Barmer in diesem Produktsegment sehr“, so Norbert Bertram, Geschäftsführer des VVHC. „Wir sind von der Barmer in Verhandlungen gewohnt, in harten und gleichzeitig konstruktiven Gesprächen gemeinsam und auf Augenhöhe Lösungen zu finden. Das findet hier jedoch nicht statt. Die Kommunikation mit der Barmer bezüglich der einseitigen Preisfestsetzung für Verbandmittel beschreibt Bertram wie folgt: „Wir steigen auf eine große Leiter, um der Barmer auf Augenhöhe begegnen zu können, schaffen es aber nicht mal bis zum Bauchnabel.“

Der VVHC stimmt der Barmer zu, dass im Bereich der Wundversorgung oft zahlreiche Akteure wie Ärzte, Pflegedienste, Wundzentren und Homecare-Unternehmen involviert sind, die jeder für sich gesehen abrechenbare Leistungen erbringen. Hier sei zu differenzieren, wer welche Leistungen erbringt und wie diese separat zu vergüten sind. Es müsse aber auch beachtet werden, dass jeder Akteur für sich gesehen eine maßgebende Rolle für eine individuelle, zeitnahe und qualitative Versorgung spielt. Gerade die Leistungen der Homecare-Unternehmen dürften in der Betrachtungsweise der Kostenträger nicht auf die reine Produktbelieferung reduziert werden.

Homecare-Unternehmen sicherten die kontinuierliche Versorgung, berieten Patienten und Angehörige zum Produkteinsatz, wiesen diese ein und kontrollierten die Wunden. Die Besuchsrhythmen würden dem Wundverlauf und der Notwendigkeit des Produkteinsatzes angepasst, der Wundverlauf dokumentiert. Alle diese Leistungen müssten angemessen und kostendeckend vergütet werden.

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Tobias Kurtz / 19.02.2019 - 15:52 Uhr

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