Vom 5. bis 9. Dezember 2023 hat das 46. San Antonio Breast Cancer Symposium in San Antonio, Texas, stattgefunden. Hier werden jedes Jahr die neuen Therapiemöglichkeiten und Studienergebnisse bei Brustkrebs vorgestellt. Im Rahmen eines Roundtable-Gesprächs fassten deutsche Brustkrebsexperten wesentliche Inhalte zusammen.
Prof. Wolfgang Janni (Uniklinik Ulm) berichtete von einer Sitzung, die sich mit lokoregionären Therapien befasste. Dort wurden die Ergebnisse der so genannten Eubreast 14-Studie vorgestellt. Diese umfasste knapp 600 Patientinnen, bei denen nach einer neoadjuvanten Therapie in den Lymphknoten der Achselhöhle noch isolierte Tumorzellen festgestellt wurden. Die Studie untersuchte, wie sich die Lymphknoten entwickelten in Abhängigkeit davon, ob eine axilläre Dissektion gemacht werde oder nicht.
Das Ergebnis in aller Kürze: Eine zurückgebliebene Lymphknotenmetastase in der Axilla habe zumindest nach diesen und anderen Daten höchst selten und nicht signifikant häufiger zu einem axiliären Rezidiv geführt, so Wolfgang Janni.
Prof. Michael Untch (Helios Klinikum Berlin-Buch) ergänzte, dass die chirurgischen Eingriffe in der Axilla in der Vergangenheit bereits „immer zurückhaltender“ geworden seien. Doch jetzt sei die Therapie in ein neues Gebiet vorgestoßen. Die Runde war sich gleichwohl darüber einig, dass noch zahlreiche Fragen ungeklärt seien.
Außerdem stellte Wolfgang Janni Ergebnisse der prospektiv-randomisierten, internationalen SENOMAC-Studie vor. Dabei wurde die alleinige Sentinel-Lymphknoten-Biopsie mit der kompletten Entfernung der Lymphknoten bei einem Tumorbefall des Sentinel-Lymphknotens bei Patientinnen mit invasiven Mammakarzinom verglichen. Die Studie mit 2.500 Patienten umfasste zu einem Drittel auch Teilnehmende nach einer Mastektomie und mit einem höheren Tumorstadion (T2 bzw. T3).
Bei einem Drittel der Patientinnen wurde weitere befallene Lymphkonoten gefunden, wenn der Sentinel positiv war. „Erstaunlich“ in dieser wie in einer ähnlich aufgebauten Studie sei, so Janni, dass die zurückgebliebenen Lymphknoten mit Metastasen in dem Arm ohne Axilladissektion zu keinem erhöhten Rezidivrisiko geführt habe. Janni folgert aus den Studienergebnissen: „Wir müssen auch nach Mastektomie und bei größeren Tumoren bei positivem Sentinel keine axilläre Dissektion machen. Darüber werden wir sicher aktiv diskutieren.“