In einer gemeinsamen Talkrunde mit Beteiligten der Kliniken, der Einkaufsgemeinschaften und der Industrie ging es um die Potenziale einer gemeinsamen Datenerhebung und -nutzung. Adelheid Jakobs-Schäfer, Generalbevollmächtigte Einkauf und Logistik der Sana Kliniken, stellte laut einer Mitteilung des BVMed fest, dass die Kliniken in der Digitalisierung noch sehr heterogen aufgestellt seien. „Deshalb braucht es dazwischen die Einkaufskooperationen, die die Daten konsolidiert vorliegen haben.“
Nach dem Schneckentempo vor Corona habe das deutsche Gesundheitssystem beim digitalen Wandel Tempo aufgenommen. „Aber wir müssen noch mehr die Verbesserung der Versorgungsqualität in den Fokus nehmen. Die digitale Transformation hinkt der Geschwindigkeit der Digitalisierung hinterher“, so Jakobs-Schäfer. Sie sprach sich für ein Gesamtkonzept aus, „was wir in der Patientenversorgung verändern und erreichen wollen und wie wir die Kompetenzen des medizinischen Personals entsprechend stärken können“. Reine Geschwindigkeit sei nicht alles. „Wir brauchen Prozessveränderungen und Interoperabilität der Daten. Wir brauchen datenbasierte Ansätze.“
Kritik am Datenschutz
Prof. Dr. med. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, bezeichnete das Krankenhauszukunftsgesetz als einen guten Start, um die Digitalisierung der Krankenhäuser zu stärken. Die verfügbaren Mittel reichten aber nicht aus, um die Rückstände aufzuholen. „Wir brauchen vor allem gute Lösungen für das medizinische Personal und die Patienten. Kliniken brauchen hier auf sie zugeschnittene Lösungen über Smartphones, nicht über aufzustellende Terminals in den Kliniken.“ Scholz kritisierte, dass die Gematik noch immer zu stark auf die niedergelassene Arztpraxis fokussiert sei, aber nicht auf die Kliniken. Als hinderlich sieht der Krankenhauschef auch den „überbordenden Datenschutz“. Die überhöhten Datenschutz-Anforderungen in Deutschland seien nach wie vor „für Gesunde gemacht, nicht für Kranke“.
Aus Sicht des BVMed-Vorsitzenden Dr. Meinrad Lugan muss das Telematikinfrastruktur-System „stärker auf Software fokussiert werden, nicht auf Hardware“. Wichtig sei es, möglichst schnell eine gute Datenbasis zu gewinnen. Die ePA könnte ein geeigneter Ansatz sein. Lugan setzte sich für einen umfassenden Datenzugang der Industrie ein, „um Produkte für die Patienten und Entscheidungshilfe-Tools für die Anwender besser weiterentwickeln zu können“.