Angesichts des bevorstehenden doppelten Wandels – Generationswechsel und Digitalisierung – im Gesundheitssystem beleuchtet der diesjährige Doctolib Digital Health Report die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen erfahreneren Ärzten in Deutschland und der nachfolgenden Generation. Gleichzeitig wird die Entwicklung der Patienten und deren veränderte Bedürfnisse und Vorstellungen im Gesundheitsmanagement untersucht. Dafür wurden im Rahmen von zwei Studien mehr als 400 Ärzte und etwa 1.100 Patienten befragt.
Arztberuf: Vorstellung vs. Realität
Viele Medizinstudierende und Ärzte wählen ihren Beruf aus altruistischen Gründen. Ein immer größerer Teil der Arbeit besteht jedoch z. B. aus administrativen Aufgaben oder Mitarbeiterführung. Aber: Nur 7 Prozent der befragten Ärzte fühlen sich laut der Studie von Doctolib und dem Marktforschungsinstitut GIM ausreichend auf das Praxismanagement und 8 Prozent auf die Digitalisierung vorbereitet. Jüngere Generationen sehen sich dabei etwas besser aufgestellt: Knapp 20 Prozent der Ärzte mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung haben bereits Inhalte zu Digitalisierung und Verwaltung erlernt. Die Vorbereitung auf Mitarbeiterführung wird dagegen von allen Befragten als gering eingeschätzt.
Digitale Helfer
Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen hinkt hinterher. Das bestätigen sowohl Ärzte (75%) als auch Patienten (52 %). Dabei halten nur 3 Prozent der Patienten das Gesundheitssystem für gut aufgestellt – im Jahr 2022 waren es noch 8 Prozent.
Vor allem jüngere Ärzte blicken optimistischer auf die Digitalisierung und sehen mehr Vorteile, wie verbesserte Kommunikation und neue Therapieoptionen. Knapp die Hälfte steht KI-gestützten Anwendungen offen gegenüber. Die jüngere Ärztegeneration ist darüber hinaus deutlich aufgeschlossener gegenüber der Nutzung von KI im Praxisalltag als ihre erfahreneren Kollegen (62 % vs. 44 %). Trotz des Potenzials digitaler Anwendungen, wie digitale Befundübermittlung und Online-Terminvergabe, bleibt die tatsächliche Nutzung derzeit noch hinter den Erwartungen zurück.
In diesem Zusammenhang wünschen sich immer mehr Patienten eine gemeinsame Verantwortung im Gesundheitswesen. Vor allem bei der Übermittlung medizinischer Unterlagen (72%), bei der Terminverwaltung (67%), bei der Gesundheitsvorsorge (69%) und bei der Nachsorge (66%) wünschen sie sich eine stärkere Zusammenarbeit. Ärzten unterstützen ebenfalls ein hohes Maß an persönlicher Verantwortung bei Patienten, insbesondere im Präventionsmanagement (77%) und in der Nachsorge nach Behandlungen (75%).
Das Vertrauen in Ärzte bleibt insgesamt hoch. Knapp die Hälfte berichtet, dass Patienten gelegentlich (40%) ihre Diagnosen hinterfragen. Diese Skepsis spiegelt sich auch bei den Patienten wider, von denen mehr als ein Viertel angibt, Empfehlungen und Diagnosen auch mal zu hinterfragen.