„Unsere Hightech-Branchen können einen spürbaren Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung beitragen, doch müssen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland dazu vom Mittelfeld des internationalen Standortwettbewerbs endlich wieder an die Spitze klettern“, sagt Spectaris-Vorsitzender Josef May. Die deutschen Hersteller von Optik, Photonik, Analysen-, Bio-, Labortechnik sowie Medizintechnik zählten zu den wichtigsten Säulen des Hightech-Standorts Deutschland.
Zur Stärkung des Hightech-Standorts Deutschland empfiehlt der Industrieverband eine umfassende Steuerreform hin zu wettbewerbsfähigen und effektiven Steuerbelastungen der Unternehmen von maximal 25 Prozent. Reformbedarf sieht der Verband aber nicht nur in der Steuerpolitik: „Die erfolgreiche digitale Transformation unserer Infrastruktur muss weiter beschleunigt werden. Sie ist essentiell, um unsere Branchen wettbewerbsfähig zu halten, Krisen klüger zu bewältigen und im Falle der Medizintechnik Patienten besser zu versorgen,“ betont May.
Wie schnell der deutsche Wirtschaftsaufschwung aus der Corona-Pandemie heraus gelingt, sei abhängig von der Innovationsgeschwindigkeit und der Innovationskraft der deutschen Industrie. Gerade Begutachtungsprozesse für die industrielle Forschung und Entwicklung hinkten oft hinterher: „Zwölf Monate von der Antragsstellung bis zum Projektstart sind keine Seltenheit, hier müssen wir erheblich schneller werden, vor allem im direkten Vergleich mit anderen Industrienationen“, betont Verbandsgeschäftsführer Jörg Mayer. Die Entwicklung von Schrittmachertechnologien werde durch eingeschränkte Programmbudgets in dem für den Mittelstand besonders wichtigen Programm der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) und dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) behindert. Eine spürbare Ausweitung des IGF-Budgets auf 360 Mio. Euro jährlich und jährliche Aufwüchse um drei Prozent seien notwendig. Das ZIM-Budget sollte auf mindestens 800 Mio. Euro jährlich angehoben werden.
Daneben fordert Spectaris, bürokratische Hürden abzubauen: „Eine gesetzliche Bürokratiebremse, die für jedes neue Bundesgesetz die anfallenden Verwaltungskosten an anderer Stelle im gleichen Maße abbaut, würde einen größer werdenden Flickenteppich an Regularien verhindern und deutsche Unternehmen gezielt entlasten.“
Spectaris kritisiert Protektionismus
Auf dem internationalen Markt zeigten sich im Zuge der Pandemie verstärkt protektionistische Tendenzen. Gleichzeitig seien massive Veränderungen der Wertschöpfungsketten und Märkte zu erwarten, die etablierte Wettbewerbspositionen auf den Prüfstand stellen. Regierungen würden auch nach der Krise alles unternehmen, um die eigene Wirtschaft zu schützen und wieder anzukurbeln. Spectaris sieht die Bundesregierung in der Pflicht, diesen Bestrebungen mit einem klaren politischen Willen und Bekenntnis zum Freihandel zu begegnen. „Unsere Branchen erwirtschaften über zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland. Wir brauchen den Freihandel wie die Luft zum Atmen und gezielte Exportfördermaßnahmen für einen schnellen Aufschwung nach Corona“, so May.