Während im Berliner Regierungsviertel die künftigen Koalitionäre noch über ihre Gesundheitspolitik verhandelten, diskutierte die Hilfsmittelbranche über Änderungen im Gesundheitssystem: In Berlin trafen sich am 5. und 6. November laut Veranstalter mehr als 400 Sanitätsfachhändler und Orthopädie(schuh) techniker beim 8. Bauerfeind Branchenforum.
11.11.2013
Tobias Kurtz
2 Minuten
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Gastgeber Prof. Hans B. Bauerfeind forderte, die Bürokratie in den Gesundheitshandwerken abzubauen. Der Vorstandsvorsitzende der Bauerfeind AG sagte am Eröffnungsabend: „Formulare auszufüllen ist nicht Hauptaufgabe in Sanitätshäusern. Die Patienten sollen im Mittelpunkt stehen!“ Der Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern müsse sich nach der Qualität in der Versorgung richten – nicht nach dem günstigsten Preis. Bauerfeind plädierte für eine wirtschaftliche Aufzahlung und machte sich für Festzuschüsse für Bandagen, Einlagen und Kompressionstrümpfe stark. Das Festzuschuss-System orientiere sich an den Bedürfnissen der Patienten und ermögliche innovativen Produkten weiterhin Zugang zum Markt. Es enthalte eine soziale Komponente und sichere die Grundversorgung ab.
Die Studie zum Festzuschuss wurde im Fritz Beske Institut für Gesundheitssystem-Forschung in Kiel ausgearbeitet. Prof. Fritz Beske erläuterte den Fachhändlern, wie sich die demografische Entwicklung auf die Gesundheits- und Sozialsysteme auswirkt: Heute arbeiteten drei Personen im erwerbsfähigen Alter für einen Rentner. 2050 betrage diese Relation nicht mehr 3 zu 1, sondern nur noch 1 zu 1. Fritz Beske forderte von der Politik, den Menschen offen zu sagen, dass sie sich in Zukunft mehr als bisher an den Kosten für ihre Gesundheit beteiligen müssen. Der Gesundheitsökonom prognostizierte: „Die gesetzliche Krankenversicherung, die heute vom Bedarf her in ihrer Finanzierung bestimmt wird, kommt zu dem Punkt, wo nur noch das geleistet wird, was auch bezahlt werden kann. Das bedeutet eine Einschränkung des Leistungskataloges.“ Eine Zuzahlung ist daher für Beske die bessere Lösung als die Herausnahme einer Leistung. „Wir müssen frühzeitig auf dieses Festzuschuss-System für Bandagen, Einlagen und Kompressionsstrümpfe hinarbeiten“, unterstrich auch BIV-Präsident Klaus-Jürgen Lotz. Es sei illusorisch zu glauben, die steigenden Einlagenversorgungen mit demselben Geldbetrag finanzieren zu können. „Der Festbetrag stellt heute schon eine wirtschaftliche Unterdeckung von mindestens 20 Prozent dar. Mit dem Festbetrag ist eben nicht alles gut“, so Lotz.
Volkmar Vogel (CDU), Mitglied des Bundestages, betonte, dass der Festbetrag derzeit nicht zur Diskussion steht. Der Festbetrag sei die geeignete Form, den schmalen Grad zu gehen zwischen der notwendigen Wirtschaftlichkeit auf der einen Seite und der Frage der Fürsorge auf der anderen Seite. Dr. Johannes Thormählen, Vorstand der GWQ ServicePlus AG, sah sowohl Vorteile beim Festbetrag als auch beim Festzuschuss. „Wir haben eher ein Verteilungsproblem“, sagte er angesichts der rund 200 Milliarden Euro, die den gesetzlichen Krankenkassen jährlich zur Verfügung stehen. Mit Blick auf die Zukunft stimmte er jedoch Beske zu: „Man muss schauen, was ist finanzierbar und was geht darüber hinaus.“
Wunsch nach Schiedsgericht
Werner Dierolf, Präsident vom Zentralverband der Orthopädieschuhtechnik (ZVOS), wies darauf hin, dass sich der Festzuschuss nicht für handwerkliche Produkte eigne. Für Verhandlungen mit Krankenkassen wünscht er sich ein Schiedsgericht. Finden Gespräche nicht auf Augenhöhe statt, müsse es die Möglichkeit geben, dieses Schiedsgericht, wie es die Schuhtechniker seit Langem fordern, einzuschalten.
Eine ausführliche Berichterstattung folgt in der Dezember-Ausgabe von GesundheitsProfi.
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