Der Innovationsfonds biete mit seinen Fördermöglichkeiten gute Ansätze. Das Ministerium wolle die Themen Telemedizin und Interoperabilität voranbringen.
Die Digitalisierung biete viele Entwicklungen, "die die Medizin besser machen, Fortschritte in der Patientenversorgung bedeuten – und auch neue Player mit sich bringen", so der BMG-Experte. Alles, was digitalisiert werden könne, werde auch digitalisiert werden. Im Gesundheitssystem gehe es dabei beispielsweise um 1,5 Mrd. Behandlungsfälle und 5 Mrd. Dokumente. Diese würden oft digital erfasst, "wenn sie aber weitergeleitet werden, gibt esjede Menge Medienbrüche und Doppelarbeit", so Schenk. Dies gehe auch zu Lasten der Patientensicherheit und könne sogar lebensgefährlich werden, wenn wichtige Informationen wie Unverträglichkeiten nicht vorliegen. Die Digitalisierung könne auch bei der Mobilität einer älter werdenden Gesellschaft helfen und schaffe über Telemonitoring neue Behandlungsmöglichkeiten.
Einen enormen Schub sieht Schenk durch medizinische Apps. Es gebe allein rund 100.000 Gesundheits-Apps. Auch wenn die allermeisten davon Fitness- und Lifestyle-Anwendungen seien, zeige sich eine ungeheure Dynamik.
Digitalisierung kann Patienteninformation verbessern
Ein weiteres Themenfeld sind Gesundheitsinformationen für die Patienten. Nach neuen Studien sei die Gesundheit der wichtigste Wert der Deutschen – noch vor Erfolg und Freiheit. Gesundheitsinformationen würden zuerst gegoogelt, der Arzt sei dann überspitzt gesagt nur noch die "Zweitmeinung". Dreh-und-Angelpunkt bleibe aber das Arzt-Patienten-Gespräch. Die Digitalisierung und das Thema "einfache Sprache" müssten stärker in der Aus- und Weiterbildung der Ärzte verankert werden. Und im Internet "brauchen wir einfache, leicht zu findende, qualitätsgesicherte Gesundheitsinformationen", so Schenks Plädoyer.
Wenn alle Potenziale der Digitalisierung genutzt werden sollen, "müssen wir die Daten vernetzen und vernünftig nutzen". Die Grundlage dafür habe das eHealth-Gesetz 2015 geschaffen. Das Nutzen der Daten mache das System wirtschaftlicher und effizienter, aber auch die Patientenversorgung sicherer und besser, so der Ministeriumsexperte. Sein Fazit: "Die Digitalisierung muss dazu führen, nicht nur das Gesundheitssystem effizienter zu machen, sondern auch den Fokus mehr auf den Patienten zu legen."