Der Eurocom-Vorsitzende Jürgen Gold betonte, dass die Hilfsmittelversorgung neben Großprojekten wie Krankenhausreform oder Digitalisierung wichtig sei und politische Aufmerksamkeit benötige. Im Koalitionsvertrag sehen BVMed und Eurocom mit der Anerkennung der Medizintechnik als Leitwirtschaft gute Ansätze. Hilfsmittel seien zudem im Zusammenhang mit der Vereinfachung von Verschreibung und Abrechnung genannt. „Das muss mit Leben gefüllt werden“, plädierte Gold. Beispielsweise durch Regelungen für eine einfachere und schnellere Aufnahme innovativer Produkte ins Hilfsmittelverzeichnis sowie eine regelmäßige Anpassung der Festbeträge in einem einfachen Verfahren. Mit einem stabilen Anteil von 4 Prozent an den GKV-Gesamtausgaben sei dieser Bereich kein Kostentreiber im Gesundheitssystem.
Die stellvertretende BVMed-Vorsitzende Dorothee Stamm unterstrich die Notwendigkeit eines schnelleren Zugangs zu Innovationen: „Innovationen können Therapien in die ambulante Versorgung überführen, Therapieerfolge beschleunigen und Personal sowie Angehörige entlasten. Doch dafür müssen sie verfügbar sein.“
Beide Verbände sehen in der neuen Legislaturperiode die Chance, Versorgungsfragen neu zu denken und haben als Diskussionsgrundlage ein gemeinsames Positionspapier mit dem Titel „Bessere Hilfsmittelversorgung JETZT“ vorgelegt.
Zu den zentralen Forderungen gehören einfachere Regelungen für die schnelle Aufnahme innovativer Hilfsmittel ins Hilfsmittelverzeichnis, keine Ausschreibungsverfahren für Hilfsmittel und eine regelmäßige Anpassung der Vergütungen. Zudem plädieren die Verbände für einen abgesenkten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für alle Hilfsmittel und Medizinprodukte sowie die Einführung eines Anspruchs auf Therapieberatung.
„Medizinische Hilfsmittel sind der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben: Sie sichern Mobilität, entlasten Pflegekräfte und sind eine Voraussetzung für mehr Teilhabe der Betroffenen“, heißt es in dem Positionspapier. Besonders für die zunehmende Ambulantisierung von Gesundheitsleistungen sei eine gute Hilfsmittelversorgung unerlässlich.
Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und der Verschiebung von „stationär zu ambulant“ werde der Bedarf an Hilfsmitteln künftig steigen. „Wer beidem richtig begegnen will, muss die Hilfsmittelversorgung der Zukunft stärken“, so die Verbände gegenüber zahlreichen Bundestagsabgeordneten, Mitarbeitenden und Verbandsvertretern.
Das vollständige Positionspapier kann unter www.bvmed.de/bvmed-eurocom heruntergeladen werden.
Über die Verbände
Der BVMed (Bundesverband Medizintechnologie) repräsentiert über 300 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche, Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger sowie den medizinischen Fach- und Großhandel.
Die Eurocom (European Manufacturers Federation for Compression Therapy and Orthopaedic Devices) ist die Herstellervereinigung für Kompressionstherapie, orthopädische Hilfsmittel und digitale Gesundheitsanwendungen.