Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) reagiert mit deutlicher Ablehnung auf den 10-Punkte-Sparplan der Techniker Krankenkasse (TK). Besonders die Forderung nach einer Rückkehr zu Ausschreibungen bei der Hilfsmittelversorgung stößt beim Branchenverband auf Widerstand. „Ausschreibungen sind und bleiben keine Option, da sie zu einer Verschlechterung der Patienten-Versorgung mit Hilfsmitteln geführt haben und zu Recht abgeschafft wurden. Außerdem haben Ausschreibungen in der Vergangenheit keine nachhaltigen Ausgabenreduktionen bewirkt“, betont BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.
Die von der TK genannten Einsparpotenziale in Höhe von 350 Millionen Euro seien laut BVMed rein theoretischer Natur und empirisch nicht belegt. In der Praxis habe sich während der Ausschreibungsphase in den 2010er Jahren kein Spareffekt gezeigt – vielmehr sei das Ausgabenwachstum im Hilfsmittelbereich im Vergleich zu anderen Sektoren unterdurchschnittlich gewesen. Auch ein sprunghafter Anstieg der Kosten nach dem gesetzlichen Ausschreibungs-Aus 2019 habe sich nicht eingestellt.
Qualitätseinbußen statt Kostenersparnis
Statt finanzieller Vorteile habe das Billigstbieterprinzip zu erheblichen Problemen geführt. Laut BVMed kam es zu Qualitätseinbußen, regionalen Versorgungslücken und eingeschränkter Wahlfreiheit für Versicherte. Besonders kritisch sei die Situation bei komplexen, multimorbiden Versorgungsfällen gewesen, bei denen es zu Verzögerungen kam. „Diese Probleme führten 2019 zur gesetzlichen Abschaffung der Hilfsmittel-Ausschreibungen. Das war richtig so – und muss auch so bleiben“, so Möll.
Darüber hinaus verweist der Verband auf die besondere Bedeutung der Hilfsmittelversorgung: Sie ermöglicht nicht nur mehr Lebensqualität und Teilhabe, sondern sichert auch den Verbleib von Patient:innen in der häuslichen Umgebung – insbesondere dort, wo ambulante Pflege durch Fachkräfte nicht mehr gewährleistet ist. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, wachsender Ambulanztendenzen und steigender Nachfrage bei chronischen Erkrankungen fordert der BVMed eine vorausschauende Gesamtbetrachtung der Versorgungskosten. Hilfsmittel, die stationäre Aufenthalte vermeiden helfen, entlasteten letztlich das gesamte Gesundheitssystem – auch wenn sie im Einzelsektor teurer erscheinen.
Als Lösungsansatz schlägt der BVMed ein strukturiertes Therapiemanagement für beratungsintensive Hilfsmittel vor. Zudem müsse die Administration dringend vereinfacht werden, um die Versorgung effizienter zu gestalten und bürokratische Hürden für Leistungserbringer abzubauen.