Um neue Ideen zu entwickeln oder auch Lösungen für aktuelle Herausforderungen, sind drei Dinge hilfreich: ein Ort, der inspiriert und neue Perspektiven eröffnet, ein Impuls durch einen Experten und der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen.
Wer das Bequemschuhsymposium in Zeulenroda (5. bis 7. April) besuchte, konnte sicher sein, alle drei Aspekte vorzufinden. Mit Blick auf den Stausee, das Zeulenrodaer Meer, spannenden Vorträgen und viel Raum zum Netzwerken bot das Event beste Rahmenbedingungen für die Spezialisten der Branche. Das sah auch Thomas Bauerfeind, CEO der Berkemann-Gruppe und Initiator des Symposiums, in seiner Begrüßung so: „Wer sich austauscht, lernt voneinander und profitiert voneinander.“
Über den degenerierten Wohlstandsfuß
Schon der Begriff legt nahe, dass es hier um Probleme geht. Die Ärztin Dr. Caroline Werkmeister, Ärztliche Leitung konservative Orthopädie und Fußsprechstunde am UKE in Hamburg-Eppendorf, zeigte in ihrem Vortrag aber Lösungen für diese Probleme auf. Die Spezialistin, die eine Fachgesellschaft für Fußgesundheit gegründet hat, befasst sich auf vielfältige Weise mit Fehlstellungen und Problemen mit Füßen. Sie betont: Zwar kämen nahezu alle Kinder mit gesunden Füßen auf die Welt. 50 Jahre später suchen die meisten von ihnen ihren Hausarzt auf – mit – richtig – Fußproblemen. Dabei spielen falsch sitzende Schuhe eine wesentliche Rolle, aber auch das teils fehlende Wissen der Fachleute. Entgegen landläufiger Annahmen gebe es nämlich am belasteten Vorfuß kein Quergewölbe: „Es ist nicht vorgesehen, dass der Fuß der Ferse und auf dem ersten und dem fünften Strahl steht. Ein physiologisch gesunder Fuß nimmt die Hauptlast auf der sehr viel stärkeren medialen Säule bis hin zur Großzehenspitze auf.“ Das habe einen wichtigen Einfluss auf alles, was therapeutisch erfolgen müsse, aber auch auf Zurichtungen und Einlagen, so Werkmeister. Spitze Schuhe, die die Großzehe nach innen rücken und damit aus der Tragachse nehmen, unterbrechen demnach den Abrollvorgang. „Das ist der Grund für Überlastungen, denn die Großzehe kann ihren Teil der Last nicht übernehmen.“ Was bezeichnet die Expertin als gesunde Schuhe? „Die Zehenbox muss asymmetrisch sein. Wichtig ist, dass die Innenseite gerade ist. Und der Schuh muss lang genug sein.“ Pelotten in Einlagen seien dagegen nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Wichtig ist der Expertin, dass die Sohle eines Schuhs möglichst dünn und in alle Richtungen biegbar ist. Sie müsse aber nicht zwingend ohne Federung sein. „Einen 60-Jährigen mit einer Plantarfaszitis kann man nicht ohne weiteres auf so eine flache Sohle stellen. Man kann ihn dabei aber durchaus begleiten.“ Ein unbedingter Fan von Barfußschuhen ist Werkmeister nicht: „Ich würde das immer individuell entscheiden. Es gibt auch bei Barfußschuhen Grenzen. Für bestimmte Menschen sind sie gut. Es ist aber schwierig, Menschen im mittleren Lebensalter sinnvoll umzugewöhnen Sinnvoller finde ich, eine Abwechslung anzubieten.“