Um neue Ideen zu entwickeln oder auch Lösungen für aktuelle Herausforderungen, sind drei Dinge hilfreich: ein Ort, der inspiriert und neue Perspektiven eröffnet, ein Impuls durch einen Experten und der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen.
Wer das Bequemschuhsymposium in Zeulenroda (5. bis 7. April) besuchte, konnte sicher sein, alle drei Aspekte vorzufinden. Mit Blick auf den Stausee, das Zeulenrodaer Meer, spannenden Vorträgen und viel Raum zum Netzwerken bot das Event beste Rahmenbedingungen für die Spezialisten der Branche. Das sah auch Thomas Bauerfeind, CEO der Berkemann-Gruppe und Initiator des Symposiums, in seiner Begrüßung so: „Wer sich austauscht, lernt voneinander und profitiert voneinander.“
Immer wieder neu
Wie man sich permanent an Marktgegebenheiten anpasst, das erläuterte Klaus Rollmann, Orthopädieschuhtechnikermeister und Schuhhändler aus Göppingen. Die Rahmenbedingungen seien im Gründungsjahr des Unternehmens, 1930, auch nicht unproblematisch gewesen, erklärte der Händler. Mit Anpassungsbereitschaft und Innovationsbereitschaft habe Schuh + Sport Rollmann über die Jahre alle Herausforderungen gemeistert. Dazu gehörte die Ergänzung der Schuhmacherei um den Schuheinzelhandel im Jahr 1943, als Schuhe Mangelware waren. 1974 kam die Sportabteilung hinzu und 1998 der Orthopädiesektor. Mit den drei Säulen des Unternehmens, dem Einzelhandel mit modischen und Komfort-Schuhen, Running und Outdoor, sowie Orthopädie und Podologie, sei man heute bewusst breit aufgestellt. „Im Mittelpunkt unseres Tuns steht immer der Kunde, das zieht sich durch unser gesamtes Angebot.“ Und das soll auch künftig so bleiben, betont Klaus Rollmann, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Petra in dritter Generation führt. Mehrere Erweiterungsbauten und Modernisierungen am Geschäft wurden seitdem durchgeführt, um immer mit der Zeit zu gehen.
Früh setzte das Unternehmen auch auf Digitalisierung – im Hinblick auf Prozesse und Warenwirtschaft ebenso wie in Bezug auf den Onlinehandel, E-Mail-Marketing und Social Media-Präsenz. Mit den drei Säulen des Angebots, einem breiten Sortiment und umfangreichen Services will Rollmann auch künftig mit der Zeit gehen und ein wichtiger Anlaufpunkt für Kunden in der Region im Südwesten Deutschlands sein. Ein interdisziplinäres Team aus Orthopädie-Fachkräften, Sportspezialisten und Modeexperten ist für die Kundinnen und Kunden da. Zugleich orientiert sich das Unternehmen an traditionellen Werten: „Wir sind und bleiben ein Familienbetrieb, wir pflegen eine besondere Nähe zu den Mitarbeitern, uns sind Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit wichtig.“ Damit will das Unternehmen neue Kunden gewinnen und die bereits bestehenden zu Fans machen. Dafür braucht es Daten, die sorgfältig erfasst werden. Kein Kassiervorgang erfolge ohne die Generierung von Daten, sagt Rollmann. Problematisch sei das nicht; weil sich die Kunden darauf verlassen können, dass der Schuhhändler mit den Daten sorgfältig umgeht. „Es funktioniert“, betont der Händler. Ein exakt ausgearbeiteter Marketingplan greift aktuelle Themen auf und spielt Botschaften und Angebote zugeschnitten auf die Kundengruppen aus. Investieren will Rollmann künftig noch stärker in Services und Angebote, von individuellen Beratungsleistungen über Events bis hin zu Reparaturservice, Nachhaltigkeit und Regionalität. Das Ziel ist ambitioniert: Man wolle mit Auftritt und Außenwirkung zum Premium-Anbieter im Markt werden und zur Nummer 1 für Orthopädie-Versorgung und Einzelhandel mit Sport- und Schuh-Fokus im Landkreis. Und damit einhergehend, strebt das Unternehmen natürlich auch Umsatzwachstum an.
Der Transformer
Wandelbarkeit zeigte auch Markus Seeßle, der sein Unternehmen Seeßle Fußgesund aus Erding Schritt für Schritt von der reinen Orthopädieschuhtechnik hin zu einem Orthopädie- und Sanitätshaus weiterentwickelt hat. Gegründet 1986, wurde das Geschäft mehrfach umgebaut und erweitert. Zwischen 2000 und 2019 wurden drei weitere Standorte eröffnet. 2023 erfolgte ein weiterer Ausbau des Stammhauses. Die Klassiker der Schuhtechnik, also etwa Zurichtungen, bietet Seeßle seit jeher an, „aber wir können mehr“, so der Inhaber. Bandagen, Orthesen und weitere Services bietet das Unternehmen an – „wir sind die Spezialisten am Fuß“. Um sich optimal auf Services zu konzentrieren, hat Seeßle das Sortiment zwar breit aufgestellt, die Markenvielfalt aber und damit auch die Komplexität reduziert. Zugleich investiert das Unternehmen in moderne Prozesse, um schnell und flexibel zu bleiben. Mit Engagement widmet sich Seeßle seinen Auszubildenden. „Die Zahl der Menschen 65plus wird steigen, wir brauchen Nachwuchskräfte, um das abfedern zu können.“ Verschiedene Bereiche im Unternehmen werden dabei von Quereinsteigern wie Kaufleuten oder Menschen mit Erfahrung im Gesundheitsbereich übernommen. Und da, wo Orthopädie-Spezialisten benötigt werden, will das Unternehmen Fachkräfte heranziehen. „Wir müssen bereits vorhandenes Fachpersonal fördern und Quereinsteiger schulen“, ist der Unternehmer überzeugt. Und bewusst wolle Seeßle dem Team etwas bieten. Eine eigene Kollektion aus Hoodies, Shirts, Kappen und weiteren Produkten komme beispielsweise gut an. Das Erdinger Unternehmen investiert in Kooperationen mit Ärzten oder Apotheken, um den Kundenkreis zu erweitern.
2020 firmierte das Unternehmen um und nahm den Bereich Sanitätshaus mit in den Unternehmensnamen auf. Seitdem heißt das Unternehmen „Orthopädie und Sanitätshaus“. Zugleich werden die entsprechenden Produkte prominent in den Geschäften gezeigt. Mit durchschlagendem Erfolg. Der Schritt, neben den Services rund um den Schuh auch den Sanitätshausbereich mit aufzunehmen, sieht Markus Seeßle als Erfolgskonzept an: „Hilfsmittel sind ein Zukunftsmarkt. Kompetenzen darin aufzubauen, lohnt sich. Wir sind viel breiter aufgestellt und nicht mehr abhängig von einzelnen Segmenten. Und wir müssen die Märkte nicht an die großen Sanitätshäuser abgeben.“ Viele Kunden kämen regelmäßig und gern zu Seeßle. „Darauf müssen wir aufbauen und weitermachen“, so der Unternehmer.