Es fällt schwer, mitzuhalten, wenn Matthias Trautmann erst einmal Fahrt aufnimmt. Kaum angekommen und Hände geschüttelt, geht es auch gleich los: über die Ladenfläche geflitzt, alle Mitarbeitenden unterwegs mit einem lauten Lächeln gegrüßt, von einem Raum zum nächsten – und damit von einer Geschichte zur nächsten. Denn auf den ersten, unwissenden Blick erscheint das Gebäude im badischen Appenweier-Urloffen wie ein modernes, aber einfaches Schuhfachgeschäft. Die informierten Besuchenden wissen natürlich, dass sich direkt dahinter ein Orthopädieschuhmacher mit Familienhistorie befindet. Und nicht irgendeiner: Trautmann GmbH Orthopädieschuhtechnik –Schuhfachgeschäft.
Die Trautmann-Dynastie reicht weit zurück: 1889 gegründet, entschied sich Urgroßvater Andreas Trautmann dazu, neben der Landwirtschaft auch eine Schuhmacherwerkstatt zu betreiben. Seitdem wurde das Unternehmen stetig von der nächsten Generation übernommen – vom Großvater, der nach 70 Jahren seinen Eisernen Meisterbrief erhielt, und vom Vater nach ihm, der mit 22 Jahren der damals jüngste Orthopädieschuhmachermeister wurde.
Einige Jahre später, kurz vor der Jahrhundertwende, wurde Matthias Trautmann zum Geschäftsführer in vierter Generation berufen. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen, 20 und 26, führt er nun das Orthopädieschuhunternehmen – mit der fünften Generation bereits in den Startlöchern.
Der schiefe Turm
Erneut ein kurzes Lächeln an die Damen am Empfang, kurzer Smalltalk, dann geht die Führung weiter. Vier Fußpflege- und Orthopädiekabinen befinden sich hier, sowie weitere Messkabinen, beispielsweise zur Laufbandanalyse. Hier werden Patienten mit ihren Sportschuhen auf dem Band getestet, um zu kontrollieren, wie gut der Schuh passt oder ob die Kompressionsstrümpfe sitzen. Weitestgehend berührungsfrei, merkt Trautmann an. Die Investitionen hierfür wurden während der Pandemie getätigt, und bevorzugt werde es weiterhin.
Doch bevor es zur eigentlichen Schuhproduktion geht, gilt die Frage zu klären, wer diesen Service überhaupt in Anspruch nimmt. „Zu uns kommen Leute, die haben Probleme. Und denen muss ich helfen“, erklärt Matthias Trautmann. Doch das äußert sich nicht immer in sofort erkennbaren Fußproblemen, führt er weiter aus.
„Die Leute kommen und sagen, sie hätten Knie- oder Rückenprobleme. Darauf antworte ich: Stellt euch den schiefen Turm von Pisa vor. Der Turm ist nicht krumm, der Boden hat nachgegeben. Das heißt: Wenn ich unten nicht stabil stehe, kann ich den Körper oben nicht stabilisieren.“
Matthias Trautmann
Aus diesem Grund sei die Schuhaufsicht, sowohl zur ersten Anprobe als auch nach der Beratung, sehr wichtig, ebenso die aufwendige Beratung selbst, die bei Trautmann das A und O ausmacht. Diese sei wichtig, um mit grundlegenden Irrtümern aufzuräumen, wie die häufige Frage, ob bei Einlagen die Füße denn nicht mehr arbeiten würden.
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Insgesamt umfasst das Team von Trautmann rund 60 Mitarbeitende. Sohn Jan kümmert sich bereits um den Standort in Offenburg. Doch egal ob in Offenburg, Freiburg oder in der Zentrale in Appenweier: auch Matthias Trautmann hat mit allgegenwärtigen Problemen zu kämpfen. Aktuell bereitet ihm vor allem die Personalsuche Kopfschmerzen. „Bis jetzt haben wir immer Leute gefunden, wenn wir sie gebraucht haben“, erzählt er. „Es ist schwieriger geworden, aber wir haben es geschafft.“ Doch auf etwaige Glücksgriffe kann man sich als Geschäftsführer und Unternehmer nicht langfristig verlassen. Erst recht nicht, wenn in fünf bis zehn Jahren einige Mitarbeitende in den Ruhestand gehen. „Wie ich diese Löcher stopfe, bereitet mir ganz große Sorgen“, sagt er nüchtern.
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