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Stoma-Versorgung

Europäischer Stomakongress will Versorgungsmaßstäbe definieren

Europäische Stoma-Versorgungsexperten wollen künftig gemeinsam „Maßstäbe für eine qualitative Versorgung von Stomapatienten“ definieren. Das teilte der BVMed mit.

Dazu soll ein europaweiter, interdisziplinärer Austausch zwischen allen an der Versorgung Beteiligten wie Stomaversorgern, Selbsthilfegruppen sowie Fachmedizinern wie Darmkrebsärzten initiiert werden. Das ist ein Ergebnis einer Podiumsdiskussion auf dem europäischen Stoma-Kongress ECET in Rom unter Beteiligung des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). „Wir müssen vor allem das Bewusstsein dafür stärken, welchen Mehrwert Hilfsmittel- und Homecare-Unternehmen und die richtige Versorgung für den Patienten, die Versorgungspartner und das Gesundheitssystem in der Stomaversorgung erbringen“, sagte BVMed-Expertin Juliane Pohl, Leiterin des BVMed-Referats Homecare, auf dem europäischen Kongress.

Auf dem Kongress der Europäischen Organisation der Stomatherapeuten (ECET) wurden die Herausforderungen der Stomaversorgung im europäischen Vergleich diskutiert. Ein Schwerpunkt war dabei die laut der BVMed-Mitteilung zunehmende Gefährdung einer qualitätsgesicherten Stomatherapie. Die internationalen Beispiele zeigten ähnliche Probleme: Die Leistungen der Stomaversorger und deren Qualifikation und Funktion im Versorgungsprozess werden in der Regel nicht ausreichend gewürdigt. Obwohl spezialisierte Experten mit einer guten und erfolgreichen Stomaversorgung Komplikationen und Rehospitalisierungen verhindern können, „führt der Kostendruck innerhalb der Sozialversicherungs-Systeme zunehmend dazu, dass diese Leistungen am Patienten nicht im erforderlichen Maße stattfinden“, berichtet BVMed-Expertin Juliane Pohl von der Diskussion. So kann in Italien oder Frankreich die Qualifikation des Stomatherapeuten zwar erworben werden, sie spielt aber in der Versorgung kaum eine Rolle.

Die europäischen Experten seien sich darin einig gewesen, dass das Bewusstsein für die Leistungen einer qualitativen Stomaversorgung und für den Mehrwert für den Patienten, die Versorgungspartner und das Gesundheitssystem gestärkt werden muss. Nur wenn die Patienten die für die Versorgung notwendigen Produkte und die individuell erforderliche Dienstleistung erhalten, können diese Potenziale genutzt, die Lebensqualität des Patienten gestärkt werden.

Einigkeit habe auch darin bestanden, dass zu wenige Informationen über die Grundanforderungen an eine gute Versorgung vorliegen. Hierfür bedarf es europaweiter Erhebungen. Zudem müssten die Positiveffekte einer qualitätsgesicherten Stoma-Versorgung für Patient und Gesundheitssystem weiter aufgezeigt werden: um effektiv gegen den steigenden Kostendruck und für eine qualitative Versorgung eintreten zu können. Zu diesem Zwecke müsse ein europaweiter, interdisziplinärer Austausch zwischen allen an der Versorgung Beteiligten initiiert werden unter anderem zwischen Stomaversorgern, Selbsthilfegruppen und Fachmedizinern wie Darmkrebsärzten.

Da Patienten in der Praxis oft Schwierigkeiten haben, die für sie nötige und angemessene Versorgung zu erhalten, sei eine umfassende Information und Aufklärung darüber unerlässlich, was eine gute Versorgung ausmacht und was die Versorgungsansprüche gegenüber Krankenkassen und Versorgern sind. Ein Ziel der Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen ist daher die Aufklärung über Rechte der Patienten und die Feststellung des individuellen Versorgungsbedarfs. In der Diskussion zeigte sich auch, dass in einigen Ländern, in denen eine Stomaversorgung nur defizitär umgesetzt wird, Komplikationen in der ambulanten Weiterversorgung zu einer erneuten Hospitalisierung führen.

In der Diskussion mit den Kongressteilnehmern wurden nach Auskunft des BVMed folgende Schritte zur Sicherstellung einer qualitativen Stomatherapie herausgearbeitet:

  • Europaweite Aktivitäten um das Bewusstsein zu stärken für die Leistungen und Bedeutung einer Stomatherapie;
  • Europaweite Forschung und Erhebungen über die „notwendige individuelle Qualität“ im Rahmen einer Stomatherapie;
  • Europaweit enger Austausch mit den Patienten und deren Organisationen.

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Tobias Kurtz / 02.07.2019 - 08:00 Uhr

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