Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller klärt essenzielle Fragen rund um das Lipödem.
05.01.2017
Tobias Kurtz
3 Minuten
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Das Lipödem wird zwar von den Krankenkassen als Krankheit anerkannt, dennoch gibt es viele offene Fragen: Welche Ursachen hat das Lipödem? Ist es erblich bedingt? Und wann kommt diese Krankheit zum Ausbruch? Diskutiert werden in der Fachwelt die verschiedenen Therapiemöglichkeiten und insbesondere die Dauer der Wirksamkeit der Liposuktion. Im Interview beschreibt Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller die Behandlungsmethoden in den verschiedenen Krankheitsstadien und warum er seine Patientinnen motiviert, die Kompressionstherapie – falls nötig – auch nach einer Liposuktion konsequent fortzusetzen.
Herr Professor Dr. Schmeller, wie viele Menschen in Deutschland haben ein Lipödem und wer ist der typische Lipödem-Patient? Schmeller: Es gibt Schätzungen, die von 80.000 bis vier Millionen Erkrankten ausgehen. Die Krankheit betrifft primär Frauen und beginnt meist in der Pubertät, mit einer Schwangerschaft oder im Klimakterium, also in den Wechseljahren. Männer können eine lipödem-ähnliche Veränderung entwickeln, die zu einem dicken Bein mit Schmerzsymptomen führt. Es ist umstritten, ob man dies als Lipödem bezeichnen soll, da häufig eine hormonelle Veränderung zugrunde liegt, zum Beispiel als Folge einer Chemotherapie oder bei Alkoholismus. Eine mögliche Erklärung ist ein Überschuss weiblicher Hormone und somit die Verweiblichung der Körperform. Lipödem-ähnliche Symptome können dabei auftreten.
Welche Körperteile können von dieser Krankheit betroffen sein? Schmeller: Es sind fast immer die Beine. Bei einem Drittel aller Fälle sind auch die Arme – besonders die Oberarme – betroffen. Wie sieht das Krankheitsbild bei einem Lipödem-Patienten aus und welche Beschwerden gehen damit einher?Schmeller: Ein wesentliches Kennzeichen für die Erkrankung ist die Disproportion zwischen Ober- und Unterkörper. Generell ist der Unterkörper viel voluminöser als der Oberkörper. Das Bein "passt nicht mehr" zum restlichen Körper und der Versuch, eine Verschlankung durch Diäten zu erreichen, scheitert meist. Im weiteren Krankheitsverlauf kommen Beschwerden durch Ödeme hinzu. Im verdickten Bein sammelt sich Gewebeflüssigkeit an. Das führt zu Schweregefühlen in den Beinen, Spannungen, dicken Beinen und Müdigkeit bei Belastungen wie Treppensteigen. Hinzu kommen eine erhöhte Druck- und Schmerzempfindlichkeit sowie wiederkehrende Blutergüsse (blaue Flecken). Abends, nach langem Stehen während des Tages, sind die Beschwerden oft größer.
Was können Sie zum Verlauf der Krankheit sagen? Schmeller: Meist schreitet die Krankheit langsam und kontinuierlich weiter voran, was sowohl die Volumenvermehrung als auch die Beschwerdesymptomatik betrifft. Manchmal gibt es auch Schübe, zum Beispiel in der Schwangerschaft.Generell wird das Lipödem in drei Stadien unterteilt. Im Stadium 1 beginnt das Lipödem bei einem jungen schlanken Menschen häufig mit langsam dicker werdenden Oberschenkeln und zunehmenden Beschwerden. Die Erscheinung erinnert an die so genannten "Reiterhosen", weshalb man beim Lipödem auch vom Reiterhosen-Syndrom spricht. Der Rest des Körpers bleibt jedoch unverändert. Die Hautoberfläche ist noch glatt und zeigt kaum Veränderungen. Im weiteren Verlauf der Krankheit, im Stadium 2, nimmt das Volumen weiter zu. Das wird besonders an den Beinen ersichtlich. In der Haut kommt es zu Knotenbildungen und zu einer gewellten Oberfläche. Manche Patientinnen nehmen zusätzlich im Rumpfbereich zu. Wenn sich Patientinnen in diesem Stadium nicht behandeln lassen und die Krankheit sich weiter verschlechtert, erreichen sie unter Umständen das Stadium 3. Dies ist durch eine extreme Disproportion mit überdimensionalen Beinen und einem weitgehend normalen Oberkörper gekennzeichnet. Patientinnen in diesem Stadium sind sehr viel schwerer zu behandeln, da die Ödembildung im großvolumigen Fettgewebe sehr ausgeprägt ist. Das erschwert die Entstauungstherapie. Auch die Liposuktion kann in diesem Stadium nur noch in Ausnahmefällen angewandt werden, da die großen Fettmengen nicht mehr vollständig entfernt werden können
Das komplette Interview lesen Sie in der Januar-Ausgabe von GesundheitsProfi.
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