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Konferenz: Woran das Entlassmanagement hakt

Konferenz: Woran das Entlassmanagement hakt

Rund 65 Experten der Leistungserbringer-Seite, von Krankenhäusern und Kassen diskutierten am 20. Februar 2018 in Berlin über die Anforderungen an ein rechtskonformes und erfolgreiches Entlassmanagement von Patienten aus der Klinik in die ambulante Versorgung.

Welcher Patient benötigt ein adäquates Entlassmanagement? Wer hat wie mit wem zu kommunizieren? Welchen zusätzlichen Aufwand bedeutet ein erfolgreiches Entlassmanagement für das Klinikpersonal? Unklarheit besteht außerdem, wie die Anschlussversorgung bspw. mit Hilfsmitteln organisiert wird – und wer dabei eingebunden werden kann.

Kritisch sahen die Experten die zusätzliche Bürokratie sowie Verständnisschwierigkeiten bei den Patienten. Zudem wird der Aufwand für die Kliniken trotz zusätzlichen Personal- und IT-Kosten nicht vergütet. Der Datenschutz und die neuen Compliance-Regeln im Gesundheitsbereich erschweren die Prozesse, ebenso hakt es für die Kliniken oft bei der Erreichbarkeit der Krankenkassen. Chancen sehen die Beteiligten jedoch darin, ein vereinfachtes Entlassmanagement auf neue und sichere Möglichkeiten des Datenaustausches (eHealth) zu bauen, fasst der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) die MedInform-Veranstaltung in einer Mitteilung zusammen.

Die Podiumsdiskussion drehte sich vor allem um die Frage der Zuständigkeit für die Organisation der Anschlussversorgung und um mögliche Kriterien für die Auswahl der entsprechenden Versorger. Auch die technische Umsetzung stand im Fokus: Sascha Graf (DAK) plädierte für schnellere Strukturen und den Griff auf Bewährtes: "Weniger Faxe, sondern Datenströme über gesicherte Wege. Jeder Tag zählt! Alles, was bisher funktioniert hat, sollte weitergeführt werden." In vielen Fällen fehle es an Rechtssicherheit, demgegenüber stehe die Versorgungssicherheit für die Patienten. Alle Beteiligten müssten zusammenfinden und mit Hilfe von eHealth-Prozessen die "Chance durch geschützte elektronische Übermittlungsverfahren nutzen". Der Druck werde auch durch die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und Anbieter wie Google oder Apple größer – ergo: "Wir brauchen dringend digitale Lösungen, dann kriegen wir auch die Geschwindigkeit da rein, die wir brauchen." Langwierige Hotline-Lösungen und Verständnisschwierigkeiten für die Patienten wurden von der Krankenhausseite in Frage gestellt. Charité-Expertin Cindy Stoklossa bewertete den Rahmenvertrag, bspw. die Verordnung von Hilfsmitteln erst am Entlasstag, als "nicht patientenfreundlich". Der Patient stehe "dann vielleicht ohne Pflegebett oder Therapieplatz da". Hier sind praktikable Lösungen erforderlich. Sascha Graf appellierte abschließend, "patientenorientiert" zu denken, "der Patient ist mündig und kann selbst entscheiden."

Ein ausführlicher Beitrag erscheint in der März-Ausgabe von GesundheitsProfi.

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Tobias Kurtz / 23.02.2018 - 09:52 Uhr

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