Das sagte der der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Christos Pantazis auf dem Gesprächskreis Gesundheit des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) am 19. Oktober in Berlin. Der Mediziner Pantazis ist Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, stellvertretender gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und zuständiger Berichterstatter für Krankenhauspolitik. Er hält die Krankenhausreform laut einer BVMed-Meldung für dringend erforderlich und überfällig.
Um die Not der Krankenhäuser durch die gesunkenen Fallzahlen und gestiegene Kosten zu lindern, wurden unter anderem Energiehilfen für Krankenhäuser beschlossen. Aktuell seien bereits hieraus drei von 6 Milliarden Euro abgeflossen. Durch weitere Maßnahmen zum Pflegebudget, Tarifsteigerungen und Mindererlösausgleich, die mit dem Krankenhaustransparenzgesetz beschlossen wurden, kommen 5 weitere Milliarden Euro zur Liquiditätsverbesserung für Krankenhäuser zusammen. „Die Mittel sind bereits vorhanden und werden zur Liquiditätssicherung der Krankenhäuser freigesetzt“, so der SPD-Abgeordnete.
Durch die DRG-Überbetonung und Versorgungsengpässe beispielsweise in der Pädiatrie, Geburtshilfe und der Notfallversorgung sowie einen dramatischen Personalmangel sei eine Reform überfällig. Außerdem müssten die Strukturen verändert und die Sektorengrenzen überwunden werden, da viele stationäre Eingriffe auch ambulant durchgeführt werden könnten. „Wir haben eine sehr gute, aber auch sehr teure medizinische Versorgung in Deutschland. Wir müssen bei der Versorgungsqualität besser und effizienter werden“, sagte Dr. Pantazis beim BVMed.
Komplexere Eingriffe sollten an spezialisierten Einrichtungen durchgeführt und die Steuerung durch Strukturvorgaben verbessert werden. Es könne nicht sein, dass beispielsweise 1.100 Krankenhäuser Patienten mit Hirninfarkt behandeln, davon aber nur 475 eine Stroke-Unit haben. Pantazis: „Wir wollen die Versorgung stärker an Versorgungsstufen ausrichten, so steht es bereits im Koalitionsvertrag.“
Knackpunkt einer grundlegenden Reform sei die Krankenhausvergütung. Übergeordnetes Ziel sei eine Entökonomisierung durch die Einführung von Vorhaltebudgets. „Wir müssen den ökonomischen Druck von den Krankenhäusern nehmen, damit sich nicht alles um die Fallzahlen dreht“, so der Gesundheitspolitiker. Die Vorhaltefinanzierung orientiere sich daher künftig an medizinisch-fachlichen Leistungsgruppen.
Der BVMed unterstützt die Ziele der Krankenhausreform, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten sowie die Behandlungsqualität zu verbessern. Allerdings müssten Medizintechnologien bei den Reformdiskussionen mitgedacht und besser berücksichtigt werden. Ansonsten könne die geplante Vorhaltefinanzierung zu erheblichen Fehlentwicklungen führen. „Der Ansatz aus dem Arbeitsentwurf, die variablen Sachkosten vor der Ausgliederung der Vorhaltekosten herauszulösen, ist hier ein Schritt in die richtige Richtung“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll und BVMed-Krankenhausexperte Olaf Winkler.