Auf der OTWorld in Leipzig stellte ThuasneThämert ein innovatives Bandagierungssystem zur Behandlung von Lymphödemen vor. Zentrales Element sind die patentierten Mobiderm-Binden mit eingearbeiteten Schaumstoffwürfeln. Im Gespräch mit GP erläutert Sigrid Wagner-Scheiterlein, Key Account Managerin Lymphologie, die Funktionsweise und Anwendungsbereiche.
GP: Das Mobiderm-Konzept unterscheidet sich bereits auf den ersten Blick von der herkömmlichen Therapieform. Warum sind in den Binden kleine Schaumstoffwürfel eingearbeitet?
Wagner-Scheiterlein: Die patentierten Mobiderm-Binden erzeugen einen Druckunterschied zwischen der Auflagefläche der eingearbeiteten Schaumstoffwürfel und der angrenzenden Umgebung. Dies führt zu einem Zugeffekt zwischen den behandelten Unterhautgewebebereichen. Außerdem entsteht durch die unruhige Oberfläche unter Kompression ein Massageeffekt. Um zum einen Scher- und Reibekräfte von der Hautoberfläche abzuhalten und zum anderen eine bessere Mobilisierung zu erreichen, kommt unter den Mobiderm-Binden eine doppellagige Hautschutzbinde zum Einsatz. Ein ganz wichtiger Vorteil des Systems ist auch, dass der Patient im Vergleich zu einer herkömmlichen Kompressionsbandagierung viel weniger in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird und dies zur Verbesserung seiner Lebensqualität führt.
GP: Dadurch erhöht sich derTragekomfort?
Wagner-Scheiterlein: Ja, aber nicht nur. Denn wer sich besser bewegen kann, wird im Alltag aktiver. Dadurch wird die Muskelpumpe angeregt und der aktive Lymphabfluss gefördert. Zudem lockert das System gleichzeitig Verhärtungen im Gewebe, die sogenannten Fibrosen – den Feind der Therapieerfolge.
GP: Nach der manuellen Lymphdrainage wird der Patient nicht mit Kurzzug-, sondern mit Langzugbinden bandagiert. Wie stehen die Therapeuten diesem Ansatz gegenüber?
Wagner-Scheiterlein: Es ist völlig klar, dass die Bandagierungstechnik von den Therapeuten ein Umdenken erfordert. Sie entspricht nicht der Arbeitsweise, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Daher gibt es zwei Fraktionen: Therapeuten, die offen sind für neue Entwicklungen und Mobiderm ausprobieren. Und dann trifft man natürlich auch diejenigen, die das, was sie vor vielen Jahren gelernt haben, nur so weiter anwenden wollen. Ich möchte an dieser Stelle klarstellen, dass Mobiderm die traditionelle Kurzzugbandagierung nicht ersetzen soll. Sie ist vor allem bei druck- und schmerzempfindlichen oder Patienten mit geringer Compliance als Alternative zu verstehen, da mit einem geringeren Kompressionsdruck und mit weniger Bandagenmaterial gearbeitet wird.
GP: Welche Erfahrungen haben sie mit Mobiderm bisher gemacht?
Wagner-Scheiterlein: In Frankreich ist das Produkt bereits seit vielen Jahren auf dem Markt und hat sich bewährt. Das wurde dort auch in der POLiT- (Prospective multicenter Observational cohort study of Lymphoedema decongestive Therapy) Studie bestätigt. Gleichwohl streben wir jetzt auch in Deutschland eine Studie an, um die Vorteile des Systems, welche sich nun auch in den letzten Monaten bei der Anwendung hier im Land darstellten, für Ärzte und Therapeuten deutlicher herauszuarbeiten.
Mobiderm: Vorteile für Fachhandel
GP: Welche Vorteile hat der Sanitätsfachhandel?
Wagner-Scheiterlein: Diese sind sehr vielschichtig. Vor allem im ambulanten Bereich ist es eine enorme Herausforderung, die in der Klinik erzielten Entstauungserfolge langfristig zu erhalten. Mit Mobiderm kann der Sanitätsfachhandel seinen Patienten im Versorgungsnetz eine Lösung anbieten. Die sichtbaren Markierungen auf der Biflex-Kompressionsbinde unterstützen Therapeuten aber auch Pflegefachkräfte beim Bandagieren und gewähren eine kontinuierlich hohe Qualität zur Sicherung des Therapieerfolges. Zudem kann sich der Patient an therapiefreien Tagen einfach selbst bandagieren. Am Ende der Therapie kann der Sanitätsfachhandel dann eine optimal passende Flachstickversorgung nach Maß an gut entstauten Gliedmaßen vornehmen. Dadurch reduziert sich unter anderem die Reklamationsquote. Das ist – nebenbei gesagt – auch für die Kostenträger ein wichtiges Argument.