GP: Wie ist es zu der KI-Challenge von Opta Data gekommen?
Dr. Jana Drechsler: „Als Opta Data Gruppe sind wir seit Jahren schon bemüht, aktuelle Innovationen in unsere Produkte und Prozesse miteinzubeziehen. Bisher war es so, dass wir in die verschiedenen Märkte unserer Kunden gehorcht haben und geschaut haben, welche Ideen oder Trends gerade Thema sind. Mit der Challenge haben wir den Spieß jetzt herumgedreht und konkret geschaut, welche Herausforderungen es aktuell im Markt für uns und unsere Kunden gibt und daraus dann die Fragestellung formuliert. Mit der Challenge wollten wir gezielt nach einer Lösung suchen. Es ist eine reale Herausforderung, an die wir früher oder später so oder so herangemusst hätten. Die interessierten Teams konnten sich dann bei uns mit ihren Lösungen bewerben.“
GP: Wie ist die Challenge abgelaufen?
Dr. Jana Drechsler: „Die Challenge startete Ende letzten Jahres durch die Ausschreibung unseres Problems. Die Teams haben sich mit einer Ideenskizze zu unserer Problemstellung beworben, und wir haben eine erste Vorauswahl getroffen. Die ausgewählten Teams haben von uns einen Datensatz erhalten, der anonymisiert auf unserem Abrechnungsdatensatz basiert. Ein guter Datensatz war für die KI-Challenge unerlässlich, denn eine KI-Lösung kann nur so gut sein, wie die Daten, auf der sie basiert. Oftmals ist es so, dass die kleinen, innovativen Unternehmen die guten Ideen haben und die großen auf dem Datenschatz sitzen. Das haben wir als Anlass genommen, die Challenge zu starten.“
GP: Wie viele Teilnehmer haben sich bei Ihnen beworben?
Dr. Jana Drechsler: „Die Resonanz war ehrlich gesagt geringer, als wir sie erwartet hatten. Uns wurde nicht gerade die Bude eingerannt. Es war gar nicht so einfach, für diese spezielle Fragestellung Menschen zu finden, die sich damit auseinandersetzen wollen, denn es ist ein sehr spitzes Thema. KI ist an sich nicht das einfachste und auch die Themengebiete Gesundheitswesen und Abrechnung sind eher speziell. Wir haben am Ende dann doch Anmeldezahlen im niedrigen zweistelligen Bereich gehabt. Wir wollten eine sehr spezielle Lösung für ein sehr spezielles Problem, also haben wir bewusst das Risiko auf uns genommen, dass es quantitativ vielleicht nicht so viele sind. Am Ende musste die Qualität der Lösungen überzeugen, damit wir mit der Gewinnerlösung weiterarbeiten können.“
GP: Wie ist die Entscheidung am Ende ausgefallen?
Ralf Dziabel: „Wir haben die besten fünf Teams ausgewählt und zu einer Kick off-Veranstaltung nach Essen auf unseren Campus eingeladen. Zusammen mit ein paar Opta Data-Zuschauern, die wir intern dazu eingeladen hatten, haben die Teams dann ihre Lösungen vorgestellt. Dadurch gab es dann auch Unterhaltungen, und es lockerte die Veranstaltung etwas auf.“
GP: Was war die Idee hinter der Challenge?
Ralf Dziabel: „Wieso machen wir das alles? Es ist immer wichtig, dass man am Zeitgeist bleibt und sich mit den aktuellen Themen auseinandersetzt und die Leute hat, die das können. Da sind wir schnell beim Thema Fachkräftemangel. Im Gesundheitswesen müssen wir um diese Menschen werben und zeigen, dass es Themen gibt, die spannend und die für junge Leute auch attraktiv sind. Deshalb haben wir bewusst das Thema KI gewählt, weil es aktuell in aller Munde ist. Wir wollten es als Anwendungsfall auf unsere Kunden und unsere Probleme anwenden. Wie Jana Drechsler schon sagte, ist es ein sehr konkretes Thema. Das heißt aber nicht, dass wir eine konkrete Umsetzung erwartet haben. Es war ein Fallbeispiel, ein Modell, über das wir nachgedacht haben.“
GP: Wie geht es jetzt weiter?
Ralf Dziabel: „Wir wollten sehen was passiert, wenn ich eine fertige Hilfsmittelverordnung habe und dazu ein passendes Hilfsmittel für den Patienten auswählen muss. Kann eine KI diese Entscheidung zufriedenstellend treffen, auf Grundlage historischer Daten? Das war unsere Fragestellung. Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Lösungsansätze und Ergebnisse der Teams am Ende waren. Ich glaube, damit haben wir die Leute, die allesamt nichts mit der Hilfsmittelbranche oder der Gesundheitsbranche zu tun haben, ein Stück weit hinter dem Ofen hervorgeholt. Wir haben dabei erst einmal nur Ideen gesammelt. Die konkrete Lösung und Entscheidung, ob wir die Lösung in unsere Produkte einbinden, erarbeiten wir jetzt im Anschluss zusammen mit dem Gewinnerteam.“
GP: Wie lautete die Fragestellung?
Ralf Dziabel: „Die Idee ist, dass wir eine Diagnose vom Arzt haben, im schlimmsten Fall ohne ICD-10 Code. Die KI versucht dann, den Diagnoseschlüssel zu ermitteln. Wenn sie den ermittelt hat, schaut sie in die historischen Daten aus unserem Datensatz und schlägt auf Grundlage dieser Datenbasis ein Hilfsmittel vor. Im besten Fall nicht nur eins, sondern die drei besten, die es findet, an der Anzahl der Verschreibungen gemessen. Dann gibt es natürlich noch weitere Parameter, die beachtet werden müssen, zum Beispiel wie die Vertragsdatenlage ist, ob man dem Patienten überhaupt dieses oder jenes Hilfsmittel verschreiben darf. Am Ende reduziert es sich dann darauf herunter, was ich eher von der Krankenkasse genehmigt kriege, aber auch, was am besten zur Diagnose passt. Der Best Case würde mithilfe der KI ermittelt werden.“
GP: Wie geht es weiter?
Dr. Jana Drechsler: „Das liegt noch in der Zukunft. Durch den Kontakt zu den in unseren Augen sehr innovativen Teams haben wir einen Grundstein geschaffen. Wir schauen uns den Gewinner-Case jetzt intern genauer an und evaluieren unsere Möglichkeiten. Wie schon gesagt, haben wir durch die Challenge keine Lösung bekommen, die wir jetzt sofort in den Markt geben können, dafür brauchen wir noch ein bisschen Zeit. Aber perspektivisch kann das natürlich eine Möglichkeit sein. Wir werden uns jetzt in der kommenden Zeit mit dem Gewinnerteam zusammensetzen und darüber sprechen, ob und wie eine gemeinsame Zusammenarbeit Sinn machen kann. Diese Möglichkeit hatten wir im Vorfeld der Challenge den Teams bewusst in Aussicht gestellt. Jetzt ist der erste Schritt zu einer möglichen Zusammenarbeit gemacht. Der Kontakt zu den anderen Teams wird auch in Zukunft weiterhin bestehen bleiben. Wenn wir da mal Ideen haben, die zu denen passen könnten, könnte es auch hier Zusammenarbeit und Synergien außerhalb einer Challenge geben. Unser Ziel war es unter anderem, branchenfremden Fachkräften auch zu zeigen, dass es uns gibt und was wir so machen.“
Ralf Dziabel: „Die Teilnehmer haben sich als unterschiedliche Charaktere herausgestellt. Vom Einzelkämpfer, der als Freelancer seine Ideen entwickelt, hat bis zu Teams, die bereits Projekterfahrung mitgebracht haben. Dadurch, dass die Personen, die sich angemeldet hatten, so unterschiedlich waren, war es für uns umso wichtiger, sie einmal persönlich kennenzulernen. Können sie ein Projekt allein organisieren? Brauchen sie vielleicht Unterstützung in der Organisation? Oftmals haben kleine Start ups eine super Idee, aber sind auf die Hilfe eines größeren und erfahrenen Partners angewiesen, um eine gute Idee auch umsetzen zu können. In einem Workshop, den wir mit den Gewinnern veranstalten, werden wir das alles ausloten.“
GP: Welche Lösung hat am Ende überzeugt?
Dr. Jana Drechsler: „Am Ende hat das „Team Münster“, bestehend aus Jens Hauser, Max Winter und Tim Rothenspieler, gewonnen, die sich extra für diese Challenge zusammengetan haben. Also ein sehr junges Team, das uns aber insgesamt mit ihrer Herangehensweise und der Lösung überzeugt hat. Beim „Team Münster“ hatten wir das Gefühl, dass sie die Aufgabenstellung und das von uns beschriebene Problem wirklich durchdrungen haben, im Vergleich zu den anderen Teams.“ Ralf Dziabel: „Das Team hat sich nicht nur der Frage gestellt, wie man zu einer Diagnose das passende Hilfsmittel findet, sondern auch der weiterführenden Frage, wie man an die Diagnose kommt, wenn der Arzt nur einen Fließtext geschrieben hat. Das waren dann im Grunde zwei Ansätze, obwohl wir nur einen gefordert hatten. Wir fanden die Herangehensweise sehr vielversprechend. Jetzt wird sich bald zeigen, wie es weitergeht. Vielleicht entwickeln wir gemeinsam einen Prototyp.“