Eigenständige Mobilität und Teilhabe im Alltag sowohl für körperlich behinderte Kinder als auch Erwachsene – so lautet das Ziel des Projekts „E-Handbikes“, das unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Marc Siebert am Hansecampus Stade der PFH durchgeführt wird. Am Lehrstuhl „Technologie der Faserverbundwerkstoffe“ wird dazu ein elektrisch angetriebenes, dreirädriges Handbike entwickelt.
Prof. Marc Siebert sagt: „Zu den täglichen Lebensbegleitern für querschnittsgelähmte Menschen zählt der Rollstuhl. Jedoch sind Reichweite und Umfang eigenständiger Mobilität im Rollstuhl bauartbedingt deutlich begrenzt, man denke hier nur an gemulchte Flächen auf Kinderspielplätzen, mit Schnee bedeckte Wege oder gar einen Strand.“
Das Forschungsteam um Prof. Siebert entwickelt daher ein spezielles dreirädriges Fahrzeug, ein so genanntes “Handbike”, das mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet wird. So soll Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen eine deutliche Steigerung der eigenständigen Mobilität und Teilhabe im Alltag ermöglicht werden. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt „EMOB-REHA“ (Elektromobilität in der Rehabilitationstechnik) wurde im Januar 2020 gestartet und wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
Handbike: Vom Sportgerät zum Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung
Handbikes sind vergleichbar mit einem Fahrrad oder Liegerad, werden aber allein durch die Arme angetrieben. „Das Innovationspotenzial unseres neuartigen Lösungsansatzes besteht darin, ein Fahrzeugkonzept für körperlich behinderte Menschen zu entwickeln, welches das gleichzeitige Steuern und Antreiben zulässt, über eine elektrische Unterstützung verfügt, einen kleinen Wendekreis hat, über eine gute Traktion verfügt und Reifenbreiten zulässt, die auch ein Befahren von losem Untergrund, im Extremfall von Sand in Strandbereich, ermöglichen“, erläutert Siebert. Ein leichter Ein- und Ausstieg durch z. B. eine wegschwenkbare Lenksäule sowie eine leicht erhöhte Sitzposition, sollen durch den neuartigen Lösungsansatz ebenfalls umgesetzt werden.
Handbike-Ergometer und Scan-Messzelle entwickelt
Zur Projekthalbzeit stellt das Forschungsteam die dafür entwickelte und angefertigte Simulationseinrichtung, das so genannte „Handbike-Ergometer“ vor, das die behinderungsgerechte Positionierung von Probanden relativ zum Antrieb ermöglicht. Dank einer ebenfalls neu entwickelten mobilen Scan-Messzelle, die eine barrierefreie und berührungslose Erfassung biometrischer Daten erlaubt, lassen sich digitale Daten direkt erfassen. Die Simulationseinrichtung wurde bereits an das Sanitätshaus Movimento in Kassel übergeben, weitere Partner sollen in Kürze folgen. „Mit dem Handbike-Ergometer können wir bereits im Vorfeld zusammen mit unseren Kunden die optimale Sitzposition simulieren und kommen der optimalen Versorgung wieder einen Schritt näher“, freut sich Julian Schulz, Orthopädietechnik-Mechaniker mit Schwerpunkt Rehatechnik bei der Movimento Orthopädie & Rehatechnik GmbH. Spezialgebiet des Orthopädie- und Rehatechnik-Hauses, das Standorte in Kassel und Göttingen hat, ist die Versorgung von Kindern. Die gewonnenen Daten wird das Forschungsteam um Marc Siebert nutzen, um das E-Handbike technisch umzusetzen.
Zum Forschungsprojekt “EMOB-REHA”
Unter der Projektleitung von Prof. Dr.-Ing. Marc Siebert führt der Lehrstuhl „Technologie der Faserverbundwerkstoffe“ am Hansecampus Stade der PFH das Projekt Elektromobilität in der Rehabilitationstechnik – Leichte und elektrisch unterstützte Handbikes („E-Handbikes“) zur Mobilitätssteigerung für körperlich behinderte Menschen – EMOB-REHA – durch. Der Durchführungszeitraum ist vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2021. Kooperationspartner und Befürworter des Projekts sind das Sanitätshaus o.r.t. GmbH aus Göttingen als Mitglied der Auxilium-Gruppe, „RehaStrehl“ Strehl GmbH & Co. KG aus Bremervörde, Ralf Bohle aus Reichshof sowie Orthopädie & Rehatechnik Movimento aus Kassel.