Philanthropie ist so alt wie die Menschheit selbst. Dass sich ein Unternehmen, dessen Ziel es ist, das Leben von Menschen zu verbessern, dazu entscheidet, gemeinnützig zu wirken, liegt auf der Hand. Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums von Medi for Help wirft Daniela Weihermüller, Geschäftsführerin Medi hilft gemeinnützige GmbH, einen Blick auf die Arbeit der Organisation.
GP: Erzählen Sie etwas über Medi for Help. Wie ist die Idee zu der Organisation entstanden? Gab es einen konkreten Auslöser?
Daniela Weihermüller: „Medi for Help wurde 2010 von meinem Vater Stefan Weihermüller und seinem Bruder Dr. Michael Weihermüller gegründet – unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti, um rasch und unbürokratisch Hilfe zu leisten. Das Engagement begann mit prothetischen Hilfen; bald zeigte sich auch akuter Bedarf in der Lymphologie, insbesondere zur Behandlung von vernachlässigten Erkrankungen wie lymphatischer Filariose und Podokoniose. Unsere Unterstützung konzentriert sich heute auf die Therapie schwerer Erkrankungen des Lymph- und Venensystems sowie orthopädische Versorgungen. Eine weitere Säule der gemeinnützigen Hilfsorganisation Medi for Help stellt die Unterstützung regionaler, gemeinnütziger Initiativen dar. Denn die Medi-DNA liegt in Bayreuth und der Region Oberfranken, und daher möchten wir neben den globalen Hilfsprojekten auch den Einsatz für hilfsbedürftige Menschen in der Region als zweite Säule weiter ausbauen. Konkret bedeutet das, dass wir beispielsweise letztes Jahr die Initiative „Pink Run“ der GesundheitsregionPLUS in Bayreuth unterstützt haben. Im Rahmen eines Charity-Laufs konnte eine Spendensumme von über 9.400 Euro für den Bayreuther Verein ,SenoCura‘ erlaufen werden, der sich aktiv für die Belange von Brustkrebspatientinnen einsetzt. Des Weiteren übergaben wir im Juni 2025 zwei Avatare an die Stiftung krebskranker Kinder in Coburg im Gesamtwert von 10.000 Euro. Bei den Avataren handelt es sich um kleine Roboter, die eine digitale Teilnahme am Unterricht sowie Interaktion ermöglichen.
GP: Medi for Help feiert 15 Jahre Jubiläum. Wie viele Projekte konnten unterstützt und wie vielen Menschen geholfen werden?
Weihermüller: „Wir sind stolz darauf, in den letzten 15 Jahren 9.100 Patientinnen und Patienten weltweit versorgt zu haben, unter anderem in Haiti, Indien, Ruanda, Nicaragua, Papua-Neuguinea und in den USA. Projekte gab es viele – eines, das uns seit vier Jahren besonders am Herzen liegt, ist das Camp Watchme der Brylan’s Feat Foundation in den Rocky Mountains (USA) für Kinder mit Lymphödem und deren Familien. Das Camp ermöglicht ein wertvolles Rundumpaket aus therapeutischer Unterstützung und medizinischer Beratung – beispielsweise unterstützen Experten von Medi bei der individuellen und passgenauen medizinischen Kompressionsversorgung – emotionalem Support sowie einem gegenseitigen engen Austausch mit anderen Betroffenen. Eine weitere Besonderheit: Camp Watchme stellt nicht nur den medizinischen Charakter in den Fokus, sondern auch den eines klassischen Freizeitcamps mit Aktivitäten wie Wanderungen, Bogenschießen sowie Lagerfeuerabenden. Medi for Help sieht sich als Ressourcen- und Interessenvertreter der kleinen Patienten und deren Eltern. Der Alltag der erkrankten Kinder ist aufgrund der Erkrankung oftmals geprägt von Stigmatisierung, die sich negativ auf die Gefühle und Verhaltensweisen auswirken kann. Dem möchte das Camp positiv entgegenwirken. Auch die Medi-Testimonials Nicole Faccio und Dominique Rogers waren letztes Jahr vor Ort und teilten ihre Erfahrungen mit den Teilnehmenden des Camp Watchme.“
GP: Erfolgt die Unterstützung ausschließlich mit Geldmitteln oder stellt Medi auch eigene Produkte zur Verfügung?
Weihermüller: „Neben finanzieller und logistischer Unterstützung liefern wir auch eigene Produktspenden, darunter adaptive Kompressionsprodukte, Woundcare-Produkte, medizinische Kompression oder Orthesen. Unser Hauptaugenmerk legen wir auf die nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Das bedeutet: Das medizinische Personal wird vor Ort fachmännisch angelernt, um zukünftig eigenständig Patienten zu versorgen. Das fördert lokale Kompetenzen und schafft langfristige Strukturen. Zudem unterstützen wir die Betroffenen dabei, mit der Erkrankung umzugehen, indem wir Beratungen anbieten und den Austausch zwischen Patienten und Fachpersonal ermöglichen.“
GP: Nach welchen Kriterien werden förderungswürdige Projekte ausgewählt?
Weihermüller: „Wir möchten mit einem nachhaltigen sozialen Engagement neue Perspektiven schaffen. Dabei konzentrieren wir uns global auf Projekte, bei denen wir unsere Expertise bündeln können und unsere Kernkompetenzen zum Einsatz kommen – sowohl in Form von fachlichem Know-how, unserem ausgebauten Netzwerk als auch medizinischen Hilfsmitteln. Natürlich unterstützen wir auch finanziell dort, wo es benötigt wird. Wir arbeiten immer mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen: Eine langfristige und enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist für uns von großer Bedeutung. Ein positives Beispiel ist die Haitianerin Fabiola Jean Pierre, die seit 2016 als Orthopädietechnikerin bei Medi for Help arbeitet und seit 2017 die Werkstatt in Deschapelles leitet. Oder aber Jean Paul, unser Compression Manager in Ruanda: Er kümmert sich selbstständig um die Versorgung der Podokoniose-Patienten und baut gemeinsam mit Medi for Help engagiert das Compression-Programm vor Ort systematisch auf. Außerdem suchen wir gezielt Partner, die unsere Werte teilen und mit denen wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten, wie das Hôpital Albert Schweitzer (HAS) in Haiti, mit dem wir seit unseren Anfängen im Jahr 2010 kooperieren. Bei der Auswahl regionaler Initiativen ist für uns unter anderem der Standort Oberfranken sowie ein medizinischer Bezug der Organisation relevant. Zudem achten wir darauf, dass kein großer Träger im Hintergrund agiert sowie die Organisation in keinem politischen oder religiösen Zusammenhang steht. Die ,Medianer‘ kennen sich in der Region besonders gut aus, deswegen haben wir bei unseren letzten beiden Aktionen auch gezielt nach deren Herzensprojekten in der Region gefragt und uns – unter Berücksichtigung der obigen Kriterien – dann beispielsweise für die Unterstützung von der Stiftung für krebskranke Kinder sowie Kinderseelen e. V. entschieden.“
GP: Gibt es auch Anfragen, die abgelehnt werden?
Weihermüller: „Wir wählen unsere Partnerschaften mit Sorgfalt aus und prüfen, dass die Organisation gut zu uns passt und wir gezielt und effektiv mit unseren Kompetenzen unterstützen können. Dabei sind wir als gemeinnützige Organisation auf Spenden angewiesen und wägen jedes Mal neu ab, inwieweit die uns zur Verfügung stehenden Mittel passend und ausreichend sind.“