„Das Wundmanagement ist im Curriculum des Medizinstudiums leider unterrepräsentiert. Dabei ist klar: Wundmanagement ist lehr- und lernbar“, so die Wundexpertin Prof. Dr. med. Cornelia Erfurt-Berge auf dem Dialogforum „Eine Stunde Wunde“ des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) am 16. September 2025.
Aktuell würden Experten an einem Lernzielkatalog arbeiten, um Lehre im Bereich der Wundversorgung besser zu verankern.
Erfurt-Berge ist Oberärztin an der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Leiterin des ICW/DDG-Wundzentrums und Vorstandsmitglied beim ICW und der AG Wundheilung bei der DDG.
Nur rund eine Stunde im Studium werde sich mit der Wundversorgung beschäftigt. Dabei zeigten Umfragen, dass sich Studierende durchaus mehr klinisch-praktisch orientierte Lehre in dem Bereich wünschen. „Die Studierenden sind interessiert und sehen die Relevanz der Wundversorgung“, so die Expertin. Wichtig ist es laut Erfurt-Berge, dass ein besserer Transfer von Erkenntnissen der Bildungsforschung in die Curriculums-Entwicklung erfolgt.
Empfohlene Formate für eine bessere Wundversorgungs-Qualifikation der Medizinstudierenden sei die Einbindung in professionelle Teams, beispielsweise durch Hospitationen, Seminare in Kleingruppen, praktische Übungen am Krankenbett und am Modell, Vorlesungen sowie Online-Angebote. Wichtige Themen seien dabei kausale Therapiemaßnahmen wie Kompression und Entlastung sowie die Themen Schmerz und Lebensqualität, lokale Wundversorgung und Diagnostik.
Am Universitätsklinikum Erlangen bietet Prof. Dr. Erfurt-Berge ein Wahlpflichtfach „Management komplexer Wunden“ an. Dazu gehören einzelne interaktive Online-Module, ein interprofessioneller Kurs „Chronische Wunden“ im Skills Lab sowie interdisziplinäre Lerneinheiten mit interaktiven Fallbearbeitungen und Kurzvideos. „Mit dem Ausbau des Online-Angebots haben wir viele kleine und abgeschlossene Unterrichtseinheiten geschaffen, sogenannten ‚Reusable learning units‘, die eine vielseitige Verwendung ermöglichen.“
Erfurt-Berges Fazit: „Wundmanagement ist lehr- und lernbar. Wundversorgung ist interdisziplinär und interprofessionell. Wir brauchen deshalb den guten Austausch zwischen den Standorten und Akteuren und eine sinnvolle Auswahl von Themen und Edukationskonzepten.“
In der Diskussionsrunde unterstützte Prof. Dr. Martin Storck, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg, die Aussagen Erfurt-Berges. Er forderte, dass das Querschnittsfach Wundversorgung ein flächendeckender Standard in der Ärzteausbildung werden müsse, da insbesondere die Allgemeinärzte in der späteren Praxis damit häufiger konfrontiert seien.
Torsten Strauß vom BVMed-Mitglied und Hersteller Essity plädierte ebenfalls für einen besseren Kenntnisstand der Allgemeinärzte beim Thema Wundversorgung. Es sei wichtig, dass die Patientinnen und Patienten mit chronischen und schwer heilenden Wunden schnell bei spezialisierten Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachkräften landen, um die Versorgung zu verbessern.